In dieser Woche haben drei Regierungen über Roboter entschieden, und kein einziger Roboter musste dafür etwas können. Washington nimmt neue im Ausland gefertigte Roboter von der Gerätezulassung aus, Peking droht mit Gegenmaßnahmen, Berlin macht die Bundesnetzagentur zur KI-Aufsicht. Gleichzeitig haben genau drei Quellen tatsächlich Leistungszahlen veröffentlicht — Google DeepMind, ein Putzdienst aus San Francisco und ein Forschungs-Preprint. Alle drei zeigen dasselbe Bild: Die Maschinen arbeiten noch nicht allein. Neun Meldungen, jede einzeln gegen die Primärquelle geprüft — plus fünf, die es nicht in diese Ausgabe geschafft haben.
Die Meldungen der Woche
Die FCC sperrt neue ausländische Roboter aus — und meint auch den Saugroboter
Die meistzitierte Zeile der Woche lautet „USA verbieten chinesische Roboter". Beide Hälften des Satzes stimmen nicht. Die Regel ist ausdrücklich länderneutral — und sie reicht weit über Humanoide hinaus.
Am 28. Juli 2026 hat das Public Safety and Homeland Security Bureau der FCC mit der Public Notice DA 26-786 zwei Kategorien auf die Covered List gesetzt: im Ausland produzierte Wechselrichter und im Ausland produzierte „advanced robotic devices". Rechtsfolge nach 47 C.F.R. 2.903(a): keine Gerätezulassung mehr — und ohne Zulassung darf ein neues Modell in den USA weder importiert noch beworben noch verkauft werden.
Entscheidend ist die Definition, nicht die Überschrift. Erfasst ist ein bodengebundenes mobiles Gerät, das Hindernissen ausweichen kann, entfernt vom Bedienenden auf Kommandos oder Sensordaten reagiert, samt Dockingstation mehr als 4,4 Pfund (rund 2 Kilogramm) wiegt und drei Komponenten mitbringt: einen Umgebungssensor, eine Netzanbindung mit mindestens 200 kbit/s in eine Richtung, und Software oder Firmware — ausdrücklich inklusive KI-Modellgewichten —, die Navigation, Wahrnehmung, Datenerfassung oder Fernsteuerung übernimmt. Ausgenommen sind unter anderem Drohnen, vernetzte Fahrzeuge, reine Schienenfahrzeuge, Unterwasserfahrzeuge, Medizin- und Mobilitätsgeräte sowie fest installierte Roboterarme.
Damit fallen handelsübliche Saug- und Mähroboter unter die Regel. Wichtig für die Zuschreibung: Weder die Public Notice noch die FAQ der FCC nennen sie beim Namen — die Wörter „vacuum" und „lawn mower" kommen dort kein einziges Mal vor. Dass die Geräte erfasst sind, hat die Behörde erst gegenüber Medien und in ergänzender Guidance bestätigt; The Verge berichtete es am 29. Juli.
Zwei Punkte gehen in der Aufregung unter. Die FCC nennt ihre Maßnahme selbst „country neutral" — sie knüpft am Produktionsort an, nicht am Firmensitz, und kann damit dem Wortlaut nach auch im Ausland gefertigte Modelle westlicher Marken treffen. Und für bereits zugelassene Geräte ändert sich nichts: Auf die Frage, ob Verbraucher Einschränkungen fürchten müssen, antwortet die FCC in ihren FAQ mit einem Wort — „No."
Unitree hatte die Palette vorher durch die Zertifizierung gebracht: Nach den FCC-Zulassungsdaten zum Grantee Code 2A5PE erhielt der R1 am 22. Juni, H2 und der Vierbeiner A2 am 30. Juni 2026 die Freigabe. Als Ausweg nennt die FCC eine Conditional Approval mit Antragsfrist bis zum 1. Januar 2028.
Was es heißt: Für Deutschland ändert sich nichts — hier entscheidet die CE-Kennzeichnung nach der Funkanlagenrichtlinie, nicht die FCC-Zulassung. G1, R1, H2 und Go2 bleiben bestellbar, Roborock, Ecovacs, Dreame, Xiaomi und Narwal ebenso. Wer FCC mit CE verwechselt, liest aus dieser Meldung ein deutsches Verbot heraus, das es nicht gibt.

- 1fährt am Boden, weicht Hindernissen aus
- 2arbeitet entfernt vom Bedienenden
- 3über 4,4 lbs / ~2 kg mit Dock
- 4Sensor für die Umgebung
- 5Funk ab 200 kbit/s
- 6Navigations-Software, auch KI-Gewichte
Die Begründung, die im selben Dokument steht — und drei Vorfälle nennt
Die Handelsseite der FCC-Entscheidung war schnell erzählt. Interessanter ist, womit die USA sie begründen — und das betrifft Geräte, die auch hier im Wohnzimmer stehen.
Die Begründung steht in der National Security Determination vom 27. Juli 2026, veröffentlicht als Anhang C zur Public Notice. Unter „Supporting Evidence" nennt sie drei konkrete Vorfälle.
Erstens: Anfang 2026 sei in einer Kategorie ausländisch produzierter Roboter eine Schwachstelle entdeckt worden, über die sich aus der Ferne auf tausende Geräte in Wohnungen weltweit zugreifen ließ — Live-Kamerabild, Mikrofonton und detaillierte Karten der Wohnungen. Die Fußnote verweist auf einen Guardian-Bericht vom Februar 2026. Es ging dabei um Haushaltsroboter, nicht um Humanoide.
Zweitens: Ein Angreifer habe einen humanoiden Roboter übernehmen und aus der Ferne nach weiteren Robotern in der Umgebung scannen können — die Determination spricht wörtlich von einem „humanoid botnet", das sich ohne Zutun der Nutzer verbreiten könne. Die Fußnote nennt einen IEEE-Spectrum-Bericht vom September 2025.
Drittens: Im April 2025 hätten Sicherheitsforscher eine möglicherweise vorinstallierte Backdoor auf ausländisch produzierten Vierbeinern gefunden, die Zugriff auf das Kamerabild und die volle Kontrolle über den Roboter gab.
Eine Präzisierung, die uns wichtig ist: Die Determination nennt keine CVE-Nummern, sondern ausschließlich journalistische Quellen. Die technische Ebene dahinter stammt aus der US-Schwachstellendatenbank NVD. Hinter Vorfall zwei steht der am 26. September 2025 offengelegte Exploit UniPwn; er betrifft laut NVD die Unitree-Modelle Go2, B2, G1 und H1, die schwerste der vier CVEs (CVE-2025-35027, CVSS 7.3) erlaubt über die Bluetooth-Konfiguration die Ausführung von Befehlen als Root. Hinter Vorfall drei steht CVE-2025-2894 — ein undokumentierter Fernzugriff auf den Go1, nicht auf die Nachfolgemodelle.
Was es heißt: Die drei Vorfälle sind nicht neu — Februar 2026, September 2025, April 2025. Neu ist, dass die US-Regierung sie zur Begründung einer Marktsperre bündelt. Rechtlich ändert das für deutsche Käufer nichts. Praktisch schon: Die von UniPwn betroffenen Modelle Go2, B2 und G1 werden auch hier verkauft. Wer eines davon betreibt, sollte den Firmware-Stand prüfen.

Peking droht mit Gegenmaßnahmen — unter einer Bedingung und ohne Inhalt
Zwei Tage nach der FCC-Entscheidung antwortet Chinas Handelsministerium. Die Erklärung ist scharf im Ton und leer im Inhalt.
Am 30. Juli 2026 veröffentlichte das Handelsministerium (MOFCOM) unter der Rubrik „Antworten des Sprechers auf Journalistenfragen" eine Stellungnahme zur FCC-Entscheidung — ohne einen Sprechernamen zu nennen. Die Maßnahme trage nach außen die Flagge der Nichtdiskriminierung, behandle und unterdrücke tatsächlich aber chinesische Unternehmen; Washington verallgemeinere den Begriff der nationalen Sicherheit und betreibe „Entkopplung und Kettenbruch".
Operativ enthält die Erklärung zwei Sätze: China fordert die sofortige Rücknahme — und sollten die USA einseitig auf ihrem Kurs beharren, werde China „entschlossen Gegenmaßnahmen ergreifen". Welche das wären, bleibt offen. Die Erklärung nennt weder Warengruppen noch einen Zeitplan, und bis zum 3. August 2026 war keine einzige Gegenmaßnahme verhängt.
Welcher Hebel bereitstünde, benennt Peking selbst nicht. Der Fachdienst automationspraxis verweist darauf, dass China mehr als 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung von Magnet-Rohstoffen aus Seltenen Erden sowie der Produktion gesinterter Permanentmagnete kontrolliert.
Was es heißt: Eine Verbaldrohung mit Bedingung, keine Maßnahme. Für deutsche Käufer zählt trotzdem die Lieferkette dahinter — genau diese Magnete stecken in den Aktuatoren, auch in denen europäischer Hersteller wie NEURA und Agile Robots.
- 28.07.FCC setzt ausländische Roboter auf die Covered ListWASHINGTON
- 29.07.KI-MIG in Kraft: Bundesnetzagentur wird KI-AufsichtBERLIN
- 30.07.MOFCOM droht Gegenmaßnahmen an — ohne InhaltPEKING
- 30.07.Gemini Robotics 2 samt ErfolgsquotenLONDON
- 02.08.EU-Transparenzpflichten anwendbarBRÜSSEL
Google DeepMind zeigt Ganzkörpersteuerung — und veröffentlicht die Quoten, die dazugehören
Die ehrlichste Veröffentlichung der Woche kommt ausgerechnet aus einem herstellernahen Lager. Wer die Videos sieht, sieht 92 Prozent. Wer die Tabelle liest, sieht 32.
Am 30. Juli 2026 hat Google DeepMind drei Modelle veröffentlicht: das Vision-Language-Action-Modell Gemini Robotics 2 für Ganzkörper- und Feinmotorik, Gemini Robotics ER 2 für Planung und Koordination mehrerer Roboter sowie Gemini Robotics On-Device 2 für den lokalen Betrieb. Im Blogpost heißt es, „zum ersten Mal" könne „unser Modell" vollständige humanoide Roboter steuern — ein Erstmals für Googles eigene Modellreihe, kein unabhängig geprüfter Branchen-Erstmals.
Vorzeigeplattform ist der Apptronik Apollo in der zweiten Generation. Nach Googles eigener Messung erreicht er mit Inspire-Händen 76,3 Prozent beim Greifen aus dem Regal, 68,4 Prozent vom Tisch und 45,7 Prozent vom Boden; mit der fünffingrigen SharpaWave-Hand (22 Freiheitsgrade) 92 Prozent beim Herausdrehen einer Glühbirne, aber 36 Prozent beim Wiedereindrehen, 44 Prozent beim Zubinden eines Müllbeutels und 32 Prozent beim Kehren mit Kehrblech.
Öffentlich zugänglich ist allein ER 2 über die Gemini API und Google AI Studio. Das Körpersteuerungs-VLA und On-Device 2 gehen ausschließlich an Early-Access-Partner — außerhalb dieses Kreises kann die Ganzkörpersteuerung derzeit niemand nachprüfen. Und eine Verwechslung ist bereits unterwegs: Der Spot von Boston Dynamics wird in der gezeigten Demo über APIs von ER 2 orchestriert, nicht vom Ganzkörper-VLA gefahren.
Begleitend veröffentlichte DeepMind den Sicherheits-Benchmark ASIMOV-Agentic samt Datensatz auf Hugging Face unter CC BY 4.0 und nennt 99 Prozent Personenerkennung sowie 96 Prozent Zuverlässigkeit beim Übergang in eine sichere Pose — ausdrücklich unter Laborbedingungen und selbst erhoben. Ein externes Audit ist nicht dokumentiert.
Was es heißt: Substanz, und zwar die seltene Sorte — ein Hersteller veröffentlicht die Quoten, bei denen sein System scheitert, gleich mit. Das ändert nichts daran, dass alle Zahlen aus derselben Hand stammen wie das Produkt.
- Glühbirne herausdrehen92
- Greifen aus dem Regal76,3
- Greifen vom Tisch68,4
- Greifen vom Boden45,7
- Müllbeutel zubinden44
- Glühbirne eindrehen36
- Kehren mit Kehrblech32
Deutschland hat seit dem 29. Juli eine KI-Aufsicht: die Bundesnetzagentur
Das lange erwartete Durchführungsgesetz ist da. Es schließt keine Regelungslücke — es schließt eine Zuständigkeitslücke.
Das Gesetz zur Durchführung der Verordnung (EU) 2024/1689 wurde am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 233) und trat am 29. Juli 2026 in Kraft. Kernstück ist das Gesetz zur Marktüberwachung und Innovationsförderung von künstlicher Intelligenz, kurz KI-MIG. Seit diesem Tag ist die Bundesnetzagentur Marktüberwachungsbehörde, zentrale Anlaufstelle und Beschwerdestelle für die KI-Verordnung.
Deutschland fährt hybrid: Die BaFin bleibt für den Finanzsektor zuständig, die Landesmedienanstalten für den Medienbereich, und die Bundesländer können die Bundesnetzagentur im Wege der Organleihe in Anspruch nehmen. Als Beispiele für ihre Zuständigkeit nennt die Behörde KI-Systeme im Personalmanagement, in kritischer Infrastruktur und im Bildungssektor. Dazu kommen ein im Aufbau befindliches Koordinierungs- und Kompetenzzentrum (KoKIVO) und ein KI-Reallabor, das insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen das Testen in kontrollierter Umgebung ermöglichen soll.
Was es heißt: Substanz, aber kein Wendepunkt. Ein Rechtsvakuum gab es nie — die KI-Verordnung gilt seit 2024. Das KI-MIG schließt die deutsche Zuständigkeits- und Durchsetzungslücke. Wer in Deutschland einen Humanoiden im Betrieb einsetzen will, hat ab sofort eine Adresse, an die sich Beschwerden richten.
Humanoider Putzdienst für 30 Dollar die Stunde — gefahren von einem Menschen
Der ehrlichste Realitätstest der Woche für das Versprechen „Haushaltsroboter". Er funktioniert — solange jemand die Fernsteuerung hält.
Alexander Koch, CEO und Mitgründer von Tau Robotics, kündigte am 28. Juli 2026 auf X an, sein Unternehmen starte in San Francisco einen Reinigungsdienst mit humanoiden Robotern zum Stundensatz von 30 US-Dollar, zunächst nur auf Einladung. Im Post heißt es wörtlich: „Each humanoid is jointly controlled by a human operator and AI."
Gegenüber dem San Francisco Chronicle beschrieb Koch die Größenordnung: drei Ingenieure, wenige Reinigungen pro Woche, ein Humanoid pro Termin. Das ist ein Pilotbetrieb, kein laufender Dienst. Die Roboterkörper stammen laut Berichterstattung von Unitree; Kameras, Greifer und Bordrechner hat Tau selbst entwickelt. Ein geschulter Operator fährt den Roboter aus einer Zentrale per Live-Videobild, während eine KI Balance und Motorik übernimmt. Nicht veröffentlicht hat das Unternehmen die Zahl der Roboter, das Operator-Verhältnis, die Fehlerquote und das Haftungsmodell. Ken Goldberg, Robotikprofessor an der UC Berkeley, hält bei ABC dagegen: „I really think it is too early."
Und dann ist da die Verzahnung, die diese Woche erst zusammensetzt: Ein US-Dienstleister schickt fernbediente Roboter aus chinesischer Fertigung in fremde Wohnungen — in derselben Woche, in der Washington genau diese Geräteklasse von der Zulassung ausnimmt. Die Reinigungssitzungen werden zudem aufgezeichnet und dienen dem Training von Taus KI-Modellen.
Was es heißt: Der Mensch am anderen Ende sieht live in die fremde Wohnung. In Deutschland wäre das datenschutzrechtlich eine völlig andere Ausgangslage — und es ist die konkreteste Gegenprobe zu jedem Versprechen, das der 1X NEO für zuhause macht. Was heute wirklich funktioniert, steht in unserem Ratgeber für Roboter im Haushalt.

Agile Robots will 600 Millionen Euro Umsatz — aus Roboterarmen, nicht aus Humanoiden
Die größte europäische Umsatzansage der Woche kommt aus München. Sie hat mit verkauften Humanoiden nichts zu tun.
Agile-Robots-Chef Zhaopeng Chen sagte dem Wall Street Journal (Interview vom 2. August 2026), das Münchner Unternehmen wolle seinen Umsatz 2026 von nach eigenen Angaben rund 300 Millionen Euro auf rund 600 Millionen Euro verdoppeln; die nötigen Kundenverträge seien bereits unterzeichnet, profitabel wolle man in zwei bis drei Jahren sein.
Sämtliche Umsatzzahlen sind reine Unternehmensangaben. Agile Robots ist nicht börsennotiert, es gibt weder eine testierte noch eine unabhängig bestätigte Zahl, Vertragsvolumina und Kundennamen sind nicht offengelegt; die letzte von Dritten berichtete Größenordnung lag bei rund 200 Millionen Euro für 2024. Belegbar sind Gründung 2018, rund 1,5 Milliarden Dollar eingesammeltes Kapital unter Führung von SoftBank, mehr als 2.500 Beschäftigte und eine 2026 geschlossene Partnerschaft mit Google DeepMind.
Entscheidend für die Einordnung: Dieser Umsatz stammt aus Roboterarmen und Automatisierungsgeschäft. Der Agile ONE wurde im November 2025 vorgestellt, die Serienfertigung in Fürstenfeldbruck läuft seit Anfang 2026 an — ausgewiesene Auslieferungszahlen gibt es nicht.
Was es heißt: Eine Absichtserklärung eines nicht börsennotierten Unternehmens. Selbst wenn sie hält, ist sie kein Beleg dafür, dass in Deutschland Humanoide in Stückzahlen zu Kunden gehen.
China stellt die Top 5 — Agile Robots ist der einzige europäische Name in den Top Ten
Eine belastbare Datenlage mit einer wichtigen Einschränkung: Sie misst Schutzrechte, nicht Produkte.
LexisNexis Intellectual Property Solutions hat am 28. Juli 2026 eine Auswertung von mehr als 26.000 Patentfamilien aus drei Kerngebieten des Humanoidenbaus veröffentlicht — Interaktionssysteme, Morphologie sowie Steuerungs- und Planungsarchitekturen. Gewichtet wird nach dem hauseigenen Patent Asset Index, dessen Rechenvorschrift nicht offengelegt und damit nicht nachrechenbar ist.
Bewertet wurden ausschließlich private, noch eigenständige Start-ups mit mindestens einem vorgeführten zweibeinigen Laufroboter. Deshalb fehlen Tesla, Boston Dynamics und UBTECH — sie stehen in einer getrennten Gesamtrangliste, die Fanuc, Alphabet, UBTECH, Kawasaki und die Chinesische Akademie der Wissenschaften anführen.
Bei den Start-ups belegen Fourier, AgiBot, LimX Dynamics, Pudu Robotics und Unitree die Plätze eins bis fünf; es folgen Figure AI, Agile Robots, Apptronik, Leju Robotics und Agility Robotics — sechs von zehn Plätzen für China. Das Gegengewicht liefert derselbe Report: Bei der Morphologie stellten US-Erfinder Ende 2025 nur 5 Prozent der aktiven Patentfamilien, trugen aber 11 Prozent zur globalen Portfoliostärke bei; China kommt auf 73 Prozent der Familien und 63 Prozent der Stärke.
Was es heißt: Dass Agile Robots vor Apptronik und Agility steht, heißt nicht, dass der Agile ONE in Stückzahlen zu Kunden geht. Patentstärke misst, was geschützt ist — nicht, was gebaut und geliefert wird.
BYD nennt Termin und Ort für seinen ersten Humanoiden — Leistungsdaten bleiben offen
Der größte Elektroautobauer der Welt zeigt im August einen Humanoiden. Was er kann, sagt bisher niemand.
Am 28. Juli 2026 hat BYD gegenüber dem China Securities Journal bestätigt, seinen humanoiden Roboter im August in den konzerneigenen Erlebniszentren „Di Space" vorzustellen. Ausgelöst hatte die Meldung ein Teaser vom 25. Juli — noch vor dieser Woche —, den der WeChat-Kanal des Di-Space-Hauses in Zhengzhou veröffentlichte: „Anfang August möchte ein neuer Freund dich kennenlernen."
Bemerkenswert ist, was in dem Teaser ausdrücklich steht: Der Roboter werde „nicht mit einem Haufen Parameter und Fachbegriffe auftreten". Genau so ist die Lage. BYD hat bis heute keine einzige Leistungszahl offiziell genannt und den Roboter nicht gezeigt. Die in chinesischen Medien kursierenden Angaben zu einem Modell „Xiao Di" — 1,61 Meter, 58,5 Kilogramm, 31 Freiheitsgrade — stammen aus einem Di-Space-Beitrag, der anschließend wieder gelöscht wurde; die South China Morning Post hält fest, dass BYD sie nicht bestätigt hat. Wir behandeln sie deshalb als unbestätigt.
Neu ist BYDs Robotik-Arbeit nicht: Den Einstieg in den Humanoiden-Markt hatte der Konzern schon Anfang Juni 2026 öffentlich gemacht. Neu in dieser Woche ist allein, dass Termin und Ort feststehen — bestätigt vom Unternehmen selbst.
Was es heißt: Ein Konzern kündigt einen Humanoiden an, ohne eine einzige Leistungszahl zu nennen — und sagt das sogar dazu. Das ist die Woche in einem Satz.
Kurz notiert
- Ein Preprint feiert Effizienz — und liefert die zweite Zahl gleich mit: Forscher der Huazhong University of Science and Technology und von Huawei stellten am 29. Juli TurboVLA vor, ein Robotermodell mit 0,2 Milliarden Parametern, das auf einer Consumer-Grafikkarte läuft. Im Simulations-Benchmark LIBERO meldet das Team 97,7 Prozent — im schwereren RoboTwin 2.0 sind es 60,2 Prozent. Beides Selbstmessung ohne Peer Review (arXiv:2607.27205).
- Japan meldet Zahlen, über die niemand redet: Fanuc legte am 31. Juli den Quartalsbericht für April bis Juni 2026 vor — Konzernumsatz plus 17,7 Prozent auf 231,0 Milliarden Yen, Quartalsgewinn plus 34,7 Prozent auf 50,98 Milliarden Yen. Die Robotersparte allein kam auf 96,1 Milliarden Yen (plus 18,7 Prozent). Die Jahresprognose steigt von 184,9 (Stand 24. April) auf 198,0 Milliarden Yen. Bemerkenswert ist die Regionenverteilung: Der China-Anteil am Konzernumsatz kletterte binnen eines Jahres von 27,1 auf 30,0 Prozent — während Washington chinesische Roboter vom eigenen Markt fernhält, wächst der japanische Marktführer ausgerechnet dort am stärksten. Fanuc selbst stellt diesen Bezug nicht her. Und eine Einordnung, die oft danebengeht: Es ist ein börsenrechtlicher Pflicht-Quartalsbericht an die Börse Tokio — nicht testiert, das weist der Bericht ausdrücklich aus.
- Der Unitree-Börsengang nimmt die nächste Hürde: Am Abend des 30. Juli veröffentlichte Unitree die Zeichnungsunterlagen für den STAR Market. Preiskonsultation am 5. August, öffentliche Zeichnung am 10. August. Warum wir aus den mitgelieferten Halbjahreszahlen trotzdem keine eigene Meldung gemacht haben, steht unten.
Zahl der Woche
Was wir diese Woche nicht geschrieben haben
Fünf Meldungen liefen uns über den Weg, die gut in die Woche gepasst hätten. Sie haben die Prüfung nicht bestanden. Wir nennen sie hier, weil andernorts womöglich das Gegenteil steht.
- „Unitree legt erstmals prüfbare Halbjahreszahlen offen."Das Zeichnungsverfahren ist echt, die Pointe nicht. Die Halbjahresprognose steht wortgleich schon im Prospekt vom 25.05.2026, der Jahresabschluss 2025 ist seit dem 20.03.2026 öffentlich. Dazu ein Zahlendreher: Die kursierenden 335,36 Prozent Umsatzwachstum gehören zur überholten März-Fassung, die Zeichnungsunterlage nennt 332,64 Prozent. Und „erstmals weltweit prüfbare Zahlen eines Humanoiden-Herstellers" ist schlicht falsch — UBTECH ist seit dem 29.12.2023 in Hongkong notiert und legt testierte Abschlüsse vor.
- „Brüssel hat die Hochrisiko-Pflichten sechs Tage vor Inkrafttreten verschoben."Kalenderblatt statt Nachricht: Nichts davon wurde in dieser Woche erstveröffentlicht. Die Verschiebung wurde am 07.05.2026 politisch geeinigt, mit Rechtsakt vom 08.07.2026 beschlossen und stand seit dem 24.07.2026 im Amtsblatt. Dass Artikel 50 ab dem 02.08.2026 gilt, steht seit Juli 2024 in der KI-Verordnung selbst. Die Formulierung behauptet eine Entscheidung, die an diesem Tag nicht gefallen ist.
- „Hexagon beziffert erstmals die AEON-Kosten."„Erstmals" ist widerlegt: Die rund 50 Millionen Euro stehen seit dem Capital Markets Day am 30.04.2026 in der Guidance, der Quartalsbericht bezeichnet die 10 Millionen des Quartals selbst als „fully in line" damit. Der mitgelieferte Satz, die Aktie habe zweistellig nachgegeben, stammt aus einer automatisch erzeugten Zusammenfassung, die einen Stockholmer Kurs gegen einen nicht existierenden Dollarkurs rechnet — die redaktionelle Berichterstattung desselben Tages meldet das Gegenteil.
- „Vier Roboter-Chefs rechnen einen Dollar Betriebskosten pro Stunde vor."Die Podcast-Folge vom 28.07.2026 ist echt, die Meldung nicht. Jonathan Hurst ist nicht CEO von Agility Robotics, sondern Mitgründer und Chief Robot Officer. Das Schlüsselzitat, auf dem die ganze Datenschutz-Zuspitzung aufgebaut war, ist in keiner der angegebenen Quellen auffindbar. Und die Rechnung geht nicht auf: 20 Stunden täglich über fünf Jahre sind 36.500 Stunden, nicht 40.000 — der glatte Dollar entsteht erst durchs Aufrunden.
- „Teradyne Robotics erreicht erstmals 100 Millionen Dollar Quartalsumsatz."Die Zahl stimmt und stammt aus einer Pflichtmitteilung vom 28.07.2026 — der Superlativ nicht. Die Sparte lag schon im ersten Quartal 2022 bei rund 102 Millionen Dollar. Weder Teradyne noch der Earnings Call noch The Robot Report nennen das Quartal einen Rekord; das „first ever" stammt aus einem Aggregatorbeitrag vom 31.07. Richtig wäre: erstmals seit 2022 wieder 100 Millionen.
Realität vs. Hype
- 32 Prozent beim Kehren, 36 Prozent beim Eindrehen einer Glühbirne, 45,7 Prozent beim Aufheben vom Boden — Googles eigene Messwerte für Gemini Robotics 2 auf dem Apollo 2 (30.07.)
- Der einzige laufende Humanoiden-Haushaltsdienst der Woche besteht aus drei Ingenieuren und wenigen Terminen — und ein Mensch fährt den Roboter per Live-Video
- Das 600-Millionen-Ziel von Agile Robots kommt aus Roboterarmen; für den Agile ONE gibt es seit dem Serienanlauf keine ausgewiesenen Auslieferungszahlen
- Die einzige börsenrechtliche Pflichtmeldung der Woche kommt von Fanuc — aus der klassischen Industrierobotik, nicht von einem Humanoidenbauer, und mit einem China-Anteil, der auf 30 Prozent gestiegen ist
- „Die USA verbieten chinesische Roboter": Die Regel ist ausdrücklich länderneutral, wirkt nur prospektiv und nur in den USA; erteilte Zulassungen bleiben gültig, gekaufte Geräte laufen weiter
- „China schlägt zurück": Pekings Erklärung nennt weder Warengruppe noch Zeitplan, steht unter einer Bedingung — und bis zum 3. August war keine einzige Maßnahme verhängt
- „Erstmals Ganzkörpersteuerung": Google schreibt „zum ersten Mal kann unser Modell" — ein Erstmals für die eigene Reihe, und außerhalb des Early-Access-Kreises kann es niemand nachprüfen
- „Dein Saugroboter wird abgeschaltet": Auf genau diese Frage antwortet die FCC in ihren FAQ mit „No" — und in Deutschland gilt die Regel ohnehin nicht
Das ändert sich im Radar
- Unitree Robotics (Hersteller-Akte) — FCC-Covered-List-Eintrag vom 28.07. als Belegzeile; bestehende Zulassungen (Grantee Code 2A5PE: R1 am 22.06., H2 und A2 am 30.06.2026) bleiben gültig. Dazu der IPO-Fahrplan: Preiskonsultation 05.08., Zeichnung 10.08.2026
- Unitree G1, R1, H2, Go2, B2 — Hinweiszeile: Die FCC-Maßnahme gilt nicht in der EU, die Modelle bleiben hier bestellbar. FCC-Zulassung ist nicht CE-Kennzeichnung
- Apptronik Apollo — Gemini Robotics 2 als Vorzeigeplattform samt der sieben herstellergemessenen Erfolgsquoten, mit dem Zusatz, dass alle Werte aus Googles eigener Evaluation stammen
- Boston Dynamics Spot — Klarstellung: In der DeepMind-Demo wird Spot über APIs von ER 2 orchestriert, nicht vom Ganzkörper-VLA gesteuert
- Agile ONE + Agile Robots — Serienanlauf Fürstenfeldbruck ohne ausgewiesene Auslieferungszahlen; das 600-Millionen-Ziel als Unternehmensangabe kennzeichnen und dem Automatisierungsgeschäft zuordnen; Rang 7 im LexisNexis-Start-up-Ranking
- Figure 03, Agility Digit, UBTECH — LexisNexis-Ränge mit dem Auswahlkriterium als Belegzeile
- 1X NEO + Roboter für zuhause — Tau Robotics als Preis- und Autonomie-Vergleichspunkt: 30 US-Dollar pro Stunde, Teleoperation mit KI-Assistenz, Sitzungen werden zum Training aufgezeichnet
Was diese Woche wichtig wird
- Mittwoch, 5. August — Unitree startet die Preiskonsultation für den STAR-Market-Börsengang, die öffentliche Zeichnung folgt am 10. August. Das ist der erste Markttest dafür, wie schwer der Ausschluss neuer Modelle vom US-Markt tatsächlich wiegt.
- Offen bleibt, ob Peking der Ankündigung vom 30. Juli Inhalt gibt. Bis zum 3. August war keine einzige Gegenmaßnahme verhängt, und die Erklärung nennt weder Warengruppen noch einen Zeitplan.
- Im August zeigt BYD seinen Humanoiden. Wir schauen auf genau eine Frage: Kommt eine einzige belegte Leistungsangabe mit — oder bleibt es bei dem, was der Teaser selbst ankündigt.
Quellen
- FCC: Public Notice DA 26-786 (28.07.2026)
- FCC: FAQ zu Foreign-Produced Advanced Robotic Devices and Power Inverters
- Handelsministerium der Volksrepublik China: Stellungnahme vom 30.07.2026
- Google DeepMind: Gemini Robotics 2 (30.07.2026)
- Bundesnetzagentur: KI-Marktüberwachung (29.07.2026)
- Alexander Koch (Tau Robotics) auf X (28.07.2026)
- Wall Street Journal: Agile Robots set to double revenue (02.08.2026)
- LexisNexis IP: Patent Data in Humanoid Robotics (28.07.2026)
- China Securities Journal: BYD bestätigt Humanoiden-Vorstellung (28.07.2026)
Alle technischen Werte, Stückzahlen und Produktionsangaben sind Hersteller- bzw. Branchenangaben, soweit nicht anders gekennzeichnet. Bewertungen nach unserer Radar-Methodik.