// ANALYSE: APPTRONIK APOLLO 9 SEKTIONEN · ~4 MIN LESEZEIT · STAND 5.8.2026
Kurzfassung
  • Industrie-Humanoid aus Austin, Texas — Apptronik seit 2016, Apollo seit 2023
  • Mercedes-Benz-Partnerschaft seit 2024 — Erprobung am Digital Factory Campus Berlin-Marienfelde und in Kecskemét (Ungarn), beide Standorte von Mercedes-Produktionsvorstand Jörg Burzer bestätigt
  • Unternehmensbewertung ca. 5 Mrd. USD — Series A auf 935 Mio. USD angewachsen (Stand Feb 2026)
  • Google-DeepMind-Partnerschaft — Apollo-2-Flotten trainieren Gemini Robotics im Robot Park in Austin, Ende Juni 2026 auf knapp 8.400 m² erweitert (Apollo 2 arbeitet dort laut Apptronik seit über einem Jahr)
  • Wechselakkus mit je 4 h Laufzeit — Akkutausch statt Ladepause (Herstellerangabe Apptronik, 08/2023)

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Hersteller
Apptronik (Austin, Texas · gegr. 2016)
Firmenbewertung
ca. 5 Mrd. USD (Series-A-Tranche Feb 2026)
Größe
172 cm
Gewicht
73 kg
Tragkraft
bis 25 kg
Akku
je Akku 4 h Laufzeit · Wechselakku (Herstellerangabe)
KI-Stack
Google DeepMind Gemini Robotics + proprietärer Manipulations-Stack
Antrieb
Eigenentwickelte Apptronik-Aktuatoren
Einsatz
Automobil (Mercedes), Logistik, Manufacturing
DACH-Präsenz
Mercedes Digital Factory Campus Berlin-Marienfelde (+ Kecskemét, Ungarn) — Erprobung, kein Regelbetrieb
Preis
B2B auf Anfrage — kein öffentlicher Listenpreis

Apptronik — der stille Texas-Player

Während Figure AI 39-Milliarden-Schlagzeilen macht und Tesla Optimus Musk-Tweets bekommt, arbeitet Apptronik still und solide im Hintergrund. Das Unternehmen wurde 2016 in Austin, Texas gegründet — Spin-off aus der Human Centered Robotics Lab der University of Texas. Apptronik war Partner der NASA und Teil des ursprünglichen Valkyrie-Teams, bevor Apollo 2023 das erste kommerzielle Produkt wurde.

Die Firmenbewertung liegt laut CNBC bei rund 5 Milliarden USD — die Series A ist über mehrere Tranchen auf 935 Millionen USD angewachsen, zuletzt 520 Millionen im Februar 2026. Als Investoren nennt Apptronik unter anderem B Capital, Google, Mercedes-Benz und PEAK6 sowie neu AT&T Ventures, John Deere und die Qatar Investment Authority. Damit ist Apptronik eine Nummer kleiner als Figure, aber deutlich fokussierter: Industrie. Kein Consumer-Experiment, kein Haushalts-Pivot. Apollo ist für Fabrik-Hallen gebaut — und dort läuft er seit zwei Jahren.

Die Mercedes-Kooperation

Apptronik und Mercedes-Benz arbeiten seit März 2024 zusammen. Mercedes-Produktionsvorstand Jörg Burzer hat im März 2025 in einer Presserunde zwei Standorte genannt, an denen der Konzern Apollo erprobt:

  • Mercedes-Benz Digital Factory Campus Berlin-Marienfelde — Intra-Logistik: Teile an die Fertigungslinie bringen, Behälter mit kommissionierten Teilen bewegen, erste Bauteil-Checks
  • Mercedes Kecskemét (Ungarn) — zweiter Erprobungsstandort

Mercedes beschreibt den Stand selbst nüchtern: Eine Handvoll Apollo-Roboter ist von erfahrenen Beschäftigten per Teleoperation und Augmented Reality angelernt worden; autonomer Betrieb am Berliner Campus ist der nächste Meilenstein, nicht der erreichte. Mit der Ankündigung vom März 2025 ist Mercedes zudem selbst Apptronik-Investor, mit einem Betrag im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Kooperation ist damit strategisch abgesichert, bekommt aber weniger Presseaufmerksamkeit als Figure×BMW, weil Apptronik bewusst ruhig kommuniziert.

Google DeepMind als KI-Partner

Apptronik hat sich entschieden, nicht ein eigenes Foundation-Model zu bauen (anders als Figure mit Helix). Stattdessen: Gemini Robotics von Google DeepMind als Basis — Partnerschaft seit Dezember 2024, Google ist zugleich Investor — dazu ein eigener Manipulations-Stack für die spezifischen Industrie-Tasks.

Seit Ende Juni 2026 hat diese Strategie eine eigene, größere Adresse: den „Robot Park” in Austin. Apptronik hat ihn zu diesem Zeitpunkt erweitert eröffnet — im Wortlaut der Mitteilung ein „newly expanded nearly 90,000-square-foot facility in Austin”, also knapp 8.400 m². Neu ist die Anlage selbst allerdings nicht: Apollo 2 arbeite dort „for more than a year already”, schreibt Apptronik. Dort erzeugen Apollo-2-Flotten per Teleoperation und autonomer Ausführung Trainingsdaten für die Gemini-Robotics-Modelle; angeschlossen sind auch Datensammel-Stationen bei DeepMind, Mercedes-Benz und GXO. Der Vorteil: Apptronik profitiert von jedem DeepMind-Fortschritt, behält aber durch den Manipulations-Stack eine Differenzierung — das ist der Teil, der bei Mercedes wirklich Mehrwert schafft. Die Trainingsdaten sollen laut Apptronik die kommende kommerzielle Flotte (Apollo 3) auf den Realeinsatz vorbereiten.

Wechselakkus statt Ladepause

Apptronik gibt für Apollo wechselbare Akkus mit je vier Stunden Laufzeit an. Der beschriebene Vorteil: Statt an der Steckdose zu laden — und dabei stillzustehen — bekommt der Roboter einen frischen Akku und arbeitet weiter. The Robot Report bestätigt davon nur die Wechselbarkeit — „swappable batteries for extended runtimes, according to Apptronik” —, nicht die vier Stunden: Diese Zahl steht allein in der Apptronik-Mitteilung vom 23.08.2023.

Wie lange ein Wechsel dauert, ob er im laufenden Betrieb erfolgt und wer ihn ausführt, steht in keiner Quelle dieser Akte. Wir führen die vier Stunden deshalb als Herstellerangabe und nicht als geprüfte Einsatzzeit. (Korrektur 30.07.2026: Der frühere Vergleich mit Figure 02 — 5 Stunden Laufzeit, 20–30 Minuten je Tausch, bei Apollo „wenige Sekunden” — ist gestrichen; keine dieser Zahlen steht in einer Quelle dieser Akte. Auch die Zusage „kontinuierlicher 24/7-Betrieb” ist entfallen.)

Konkurrenz-Check

ModellKI-BasisLaunch-KundeAkku-Strategie
Apptronik ApolloGemini Robotics (DeepMind)MercedesWechselakku (4 h)
Figure 02/03Helix (proprietär)BMWEinzel-Akku
Agility DigitNVIDIA GR00TAmazon (RaaS)Docking-Station
Tesla OptimusTesla FSDTesla internStandard

Unser Urteil

Apptronik Apollo ist für Deutschland relevanter als die meisten denken. Durch die Mercedes-Kooperation ist Apollo einer der wenigen Humanoiden mit dokumentierter Erprobung in einem deutschen Werk. Wie viele Roboter dort stehen und wie viele Stunden sie arbeiten, hat weder Mercedes noch Apptronik veröffentlicht — Reuters spricht im März 2025 von „a handful”.

Für B2B-Industrie-Einkäufer im DACH-Raum gehört Apollo damit auf die Liste der ernsthaften Kandidaten (neben Figure und — im Consumer-angrenzenden Bereich — NEURA). Zu kaufen gibt es ihn allerdings nicht: Einen öffentlich dokumentierten Bestell- oder Vertriebsweg für Dritte nennt keine Quelle dieser Akte, bekannt sind nur die geschlossenen Projekte mit Mercedes-Benz, GXO und Jabil. Wer Interesse hat, muss den direkten Kontakt zu Apptronik suchen — ein Angebot an den Markt ist das bislang nicht. Für Privatpersonen: nicht relevant.

Quellen

Wo kaufen

Apptronik (offiziell, B2B)

Keine Consumer-Bestellung; ein öffentlicher Bestellweg für Dritte ist in keiner Quelle dieser Akte dokumentiert

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