// ANALYSE: AGILITY DIGIT 10 SEKTIONEN · ~5 MIN LESEZEIT · STAND 3.8.2026
Kurzfassung
  • Logistik-Spezialist — nicht generalistischer Humanoid, sondern für Warehouses optimiert
  • RaaS oder Direktkauf — laut Agility-Finanzchefin ist Digit über beide Wege verfügbar; ein Listenpreis ist nicht öffentlich
  • GXO hat den einzigen öffentlich dokumentierten RaaS-Vertrag; bei Toyota Canada, Schaeffler und Mercado Libre arbeitet Digit ebenfalls, das Vertragsmodell ist dort nicht öffentlich — Amazon ist Investor und früher Trial-Partner
  • Bewertung ca. 2,5 Mrd. USD — SPAC-Börsengang öffentlich angekündigt am 24.06.2026 (Churchill Capital XI, Ticker AGLT, ~620 Mio. USD Bruttoerlös, PIPE unter Foxconn-Führung)
  • Neues 5.600-m²-Trainingszentrum in Fremont (Juli 2026) — in direkter Nachbarschaft zu Teslas Optimus-Fertigung; Digit v5 vorgestellt am 24.06.2026 (bis 22,7 kg Traglast — plus 40 % gegenüber v4 —, rund 22 h Laufzeit, 2,1 m Reichweite), Kommerz-Launch im Herbst
  • Besonderheit: vogelartige statt menschenähnliche Beine — die Bauform folgt der Lageraufgabe, nicht der Menschenähnlichkeit

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Hersteller
Agility Robotics (Salem, Oregon · Spin-off Oregon State University)
Größe
175 cm
Gewicht
65 kg
Tragkraft
bis 16 kg pro Last-Bewegung
Besonderheit
vogelartige Beinform statt menschenähnlicher Beine (Transport Topics, 24.06.2026)
Akku-Strategie
16 h Betriebszeit je Standardladung (v4) · v5 angekündigt mit rund 22 h
KI-Stack
Eigener Physical-AI-Stack · Training laut Hersteller mit Regelungsverfahren, teleoperierten Demonstrationen, RL und Simulation · NVIDIA Halos und IGX Thor als Sicherheits-Stack
Kommerz-Modell
RaaS (Robots-as-a-Service) oder Direktkauf — kein öffentlicher Listenpreis
RaaS-Ankerkunde
GXO Logistics (Mehrjahres-Vertrag seit 27.06.2024) — einziger belegter RaaS-Vertrag
Firmenbewertung
ca. 2,5 Mrd. USD (SPAC-Merger Churchill Capital XI, angekündigt 24.06.2026 · Ticker AGLT · Closing Ende 2026 erwartet)
DACH-Verfügbarkeit
aktuell keine — keine deutschen Deployments

Der nicht-anthropomorphe Humanoid

Digit ist 2026 einer der meist-deployten humanoiden Roboter der westlichen Welt — mit den meisten dokumentierten Betriebsstunden. Während Tesla Optimus primär Trainingsdaten sammelt und Figure bei BMW skaliert, arbeitet Digit produktiv im Kundenbetrieb: bei GXO Logistics im Robots-as-a-Service-Vertrag (seit Juni 2024) sowie bei Toyota Motor Manufacturing Canada, Schaeffler und Mercado Libre, wo das Vertragsmodell nicht öffentlich ist.

Amazon ist dagegen — anders als oft kolportiert — kein aktueller Produktivkunde, sondern Investor und Partner: The Robot Report führt Amazon in der Investorenliste und nennt Digit einen der ersten Humanoiden, die in kommerzielle Trials mit Amazon und GXO Logistics gingen. Wie groß die produktive Flotte ist, sagt Agility nicht. Belegt sind neun Kundenstandorte und über 65.000 Betriebsstunden — mehr dokumentierter Feldbetrieb als bei jeder anderen westlichen Humanoid-Flotte 2026, aber eben keine Stückzahl.

Korrektur 30.07.2026: Hier stand eine produktive Flotte von „etwa 75 Einheiten laut den SPAC-Filings”. Das war in sich widersprüchlich — der Beleg derselben Akte nannte dieselbe Zahl eine Branchenschätzung ohne offiziellen Count. Keine der sechs Quellen dieser Akte nennt eine Flottenzahl; die Angabe ist ersatzlos gestrichen, in der Akte wie hier. Ebenfalls gestrichen: Amazon als „zahlender” Trial-Kunde und die Jahresangabe „Series B 2022” — für beides steht in keiner Quelle dieser Akte ein Wort.

Warum Digit anders aussieht

Ein Blick auf Digit zeigt: Das ist kein “humanoid” im engeren Sinne. Transport Topics beschreibt die Bauform so: Digits Beine seien „more birdlike than human in a design that’s meant to better fit the work they do” — sie folgen der Arbeitsaufgabe, nicht der Menschenähnlichkeit. IEEE Spectrum nennt Digit entsprechend einen Zweibeiner statt eines Humanoiden.

Was die Beine praktisch leisten, ist schmal, aber sauber belegt: Sie geben Digit denselben Arbeitsraum und annähernd denselben Footprint wie einem Menschen — genau deshalb muss ein Lager für Digit nicht umgebaut werden.

Korrektur 30.07.2026: Hier standen bis zum Beleg-Audit drei Aussagen ohne jede Quelle — dass Rückwärts-Laufen genauso stabil sei wie Vorwärts-Laufen, dass die Bauform ein besseres Balance-Verhalten bei plötzlichen Stopps bringe und dass sie laut Forschung der Oregon State University weniger Energie verbrauche. Keine der sechs für diese Akte geprüften Quellen trägt eine davon. Sie sind gestrichen. (Die Akte sprach an mehreren Stellen von „acht Quellen” — auch das war falsch: Es sind sechs Quellen mit inzwischen zwölf Belegstellen.)

Der Oberkörper ist klassischer Humanoid — zwei Arme, Greifer, Kamera-Kopf. Aber die Beine sind das Differenzierungs-Merkmal.

Das RaaS-Modell

Agility Robotics ist der Vorreiter eines Geschäftsmodells, das die Industrie verändern könnte. Neben dem Direktkauf bietet Agility ein Abo-Modell an: Kunden zahlen pro erledigter Task oder pro Stunde. Das Risiko liegt dann beim Hersteller, nicht beim Kunden.

Für Logistiker wie GXO rechnet sich das: Statt Kapital in Geräte zu binden, zahlen sie pro tatsächlich erledigtem Task. Wenn die Roboter Defekte haben, ist das Agility-Problem. Wenn sie besser werden (Software-Updates), profitiert der Kunde.

Korrektur 30.07.2026: Hier stand, Agility verkaufe Digit nicht, und Kunden müssten sonst „je 150.000 USD” pro Einheit zahlen. Beides ist falsch. Digit ist laut Finanzchefin Jennifer Hunter „available through a robotics-as-a-service (RaaS) model or direct purchase” (The Robot Report, 24.06.2026). Und die Zahl 150.000 USD steht in keiner Quelle dieser Akte: Die einzige Preiszahl im gesamten Quellenmaterial ist eine Stückliste (bill of materials) von 125.000 USD für Digit v4 — Materialkosten, kein Listenpreis. Einen Kaufpreis nennt Agility öffentlich nicht; genau deshalb bleibt unsere Preis-Leistungs-Note „n. b.”.

Das Modell funktioniert aber nur, wenn Agility die Zuverlässigkeit und Durchsatz-Metriken kontinuierlich verbessert — genau dafür sind die dokumentierten 65.000+ Betriebsstunden an neun Kundenstandorten die Referenz.

Laufzeit statt Akku-Tausch

Ein subtiler, aber wichtiger Unterschied zu anderen Humanoiden: Digit hat keinen Wechselakku. The Robot Report nennt für die eingesetzte Generation v4 eine Betriebszeit von 16 Stunden je Standardladung; für die angekündigte v5 sind es rund 22 Stunden. Hot-Swap wie bei Apollo gibt es nicht.

Das passt zum Warehouse-Einsatz — dort laufen ohnehin mehrere Roboter, Redundanz ist eingeplant. In einer Fertigungsumgebung, in der ein einzelner Roboter an einer Linie steht, ist ein Wechselakku dagegen im Vorteil. Wie lange Digit für eine Ladung braucht, nennt keine Quelle dieser Akte.

Korrektur 30.07.2026: Hier stand, Digit fahre bei leerem Akku autonom eine Docking-Station an und lade sich selbst auf, während ein zweiter Digit die Aufgabe übernimmt — dazu eine „30-Minuten-Ladepause”. Keine der sechs Quellen dieser Akte enthält auch nur das Wort Docking, und eine Ladedauer nennt ebenfalls keine. Die Behauptung war doppelt problematisch: Selbstständiges Laden ist in unserer Autonomie-Leiter ein Merkmal der Stufe 8 — bewertet ist Digit mit 3. Die Passage ist auf das Belegte zurückgenommen.

Börsenfahrplan und Fremont-Expansion (Juli 2026)

Der angekündigte SPAC-Börsengang hat im Juli 2026 Form angenommen: Am 13. Juli reichte Agility den S-4-Entwurf vertraulich bei der SEC ein — für die Fusion mit Churchill Capital Corp XI bei einer Bewertung von rund 2,5 Milliarden USD (Ticker: AGLT). Laut TechCrunch werden über 620 Millionen USD Erlös erwartet, inklusive eines 200-Millionen-PIPE unter Führung von Foxconn — die größte Kapitalaufnahme der Humanoid-Geschichte, sollte sie so durchgehen.

Nur drei Tage später eröffnete Agility ein 5.600-m²-Trainingszentrum in Fremont, Kalifornien — in direkter Nachbarschaft zu Teslas Optimus-Fertigung. Dort sollen Digit-Flotten für neue Kundenumgebungen trainiert werden. Für den Herbst ist zudem die nächste Generation Digit v5 angekündigt; wir tragen sie im Release-Radar nach, sobald es ein konkretes Datum gibt. Einordnung in der Robotik-Woche KW 29.

Konkurrenz-Check

ModellFormKommerz-ModellKunden
Agility DigitNicht-anthropomorph (Vogelbein)RaaS oder DirektkaufGXO (RaaS-Vertrag)
Apptronik ApolloHumanoidVerkauf (B2B)Mercedes
Figure 02/03HumanoidVerkauf (B2B)BMW
Tesla OptimusHumanoidIntern + später VerkaufTesla

Unser Urteil

Digit ist fokussiert, pragmatisch und derzeit am produktivsten — aber nicht für alle Anwendungen geeignet. Für reine Warehouse-Logistik ist Digit 2026 der Referenz-Roboter. Für Automobil-Montage oder Consumer-Haushalt ist er das falsche Tool.

Für Deutschland relevant: Agility ist der einzige seriöse RaaS-Anbieter. Wenn deutsche Lager-Ketten (DHL, Zalando, Otto) 2027/28 über Humanoid-Logistik nachdenken, wird der erste Blick auf Agility fallen — RaaS ist das Modell, das Fachkräftemangel in der Logistik am elegantesten löst.

Quellen

Wo kaufen

Agility Robotics (offiziell, RaaS)

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