- Serienstart „Anfang 2026" angekündigt — elf Hersteller-Mitteilungen seither, keine meldet Produktionsstart, Einheit, Auslieferung oder Kunden (geprüft 13.08.2026)
- Die selbstgesetzte Sechs-Monats-Frist für Gespräche über Kauf oder Leasing ist am 19.05.2026 verstrichen — ohne dass darüber gesprochen wurde
- Der Konzern dahinter ist Europas substanzreichste humanoid-nahe Industriegruppe: rund 300 Mio. € Umsatz 2025, Ziel 600 Mio. € — nichts davon ist dem Humanoiden zugeordnet
- Industrie-Fokus: Präzisions-Manipulation mit Kraft-Feedback aus der DLR-Tradition — für den ONE selbst bislang Herstellerangabe
- Vier Kennwerte veröffentlicht (174 cm, 69 kg, 2 m/s, 20 kg Traglast) — Freiheitsgrade, Akkulaufzeit, Aktuatorik und CE dagegen nicht
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Hersteller
- Agile Robots SE (München — seit 22.03.2024 Europäische Gesellschaft, vorher AG)
- Gründung
- 2018
- Founder
- Zhaopeng Chen
- Größe
- 174 cm (Herstellerangabe)
- Gewicht
- 69 kg (Herstellerangabe)
- Hand-Gelenke
- 21 Gelenke je Hand (Herstellerangabe). AUFLÖSUNG 15.08.2026 der seit 30.07. offenen Präzisierung: „Je Hand" ist durch die Hannover-Kommunikation gedeckt („21 articulation points per hand"); zusätzlich stützt das Datenblatt der separat vertriebenen Agile Hand die Lesart (21 Gelenke für EINE Hand, 15–16 Freiheitsgrade) — wobei keine Agile-Robots-Quelle sagt, dass der ONE genau diese Hand trägt. Eine Gesamt-Freiheitsgradzahl nennt der Hersteller nirgends
- KI
- AgileCore (proprietär) + Google DeepMind Gemini Robotics (2026)
- Besonderheit
- Kraft-Feedback-Manipulation (aus DLR-Robotik-Tradition)
- Produktions-Start
- „Anfang 2026" angekündigt (19.11.2025) — neues eigenes Werk in Bayern; als Standort nannte Agile Robots am Ankündigungstag gegenüber dpa und Fachpresse das oberbayerische Fürstenfeldbruck (mündliche Unternehmensangabe, in der schriftlichen Mitteilung steht nur „Bayern"). Bis 13.08.2026 ist weder eine Werkseröffnung noch ein Produktionsstart vermeldet
- Stückzahl-Ziel
- nicht offengelegt — Agile Robots nennt keine Produktionsvolumina (heise, 21.11.2025)
- Traglast
- 20 kg (Herstellerangabe der Agile-ONE-Produktseite, als Zählerattribut im Quelltext, abgerufen 13.08.2026). Ob je Arm oder für beide zusammen, sagt keine Quelle. Verwechslungsgefahr: Die Thor-Serie desselben Herstellers — Roboterarme mit Traglast-Optionen von 3 bis 20 kg — endet ebenfalls bei 20 kg — deren Werte gehören nicht in diese Akte
- Freiheitsgrade gesamt
- vom Hersteller nicht veröffentlicht (geprüft 13.08.2026: Produktseite, Launch-Mitteilung 19.11.2025, Mitteilungen 04.02. und 20.04.2026). Die kursierende Formel „71 DoF, davon 21 je Hand" setzt Gelenke mit Freiheitsgraden gleich
- Akkulaufzeit
- vom Hersteller nicht veröffentlicht (geprüft 13.08.2026). heise hält am 21.11.2025 ausdrücklich fest, es bleibe unklar, wie lange der Roboter mit einer Ladung arbeitet. Die kursierenden „bis zu acht Stunden" stehen auf keiner Herstellerseite
- Einsatz
- Industrie, Logistik, Präzisions-Tasks
- Preis
- auf Anfrage (B2B) — die Produktseite nennt weder Preis noch Bestellweg, nur einen Kontakt-Aufruf („Get in touch, and we'll be happy to discuss options.", abgerufen 13.08.2026). Kein Miet-, Leasing- oder Nutzungsmodell in einer unserer Quellen
- CE-Kennzeichnung
- in keiner unserer Quellen belegt (Stand 13.08.2026) — die frühere Angabe „Pipeline aktiv" war unbelegt und ist gestrichen. Hintergrund im Recht-Kapitel: Für den gehenden Teil eines Humanoiden existiert bis heute keine fertige Norm (ISO 25785-1 in Entwicklung)
Die Vermessung: was auf dem Maßblatt steht — und was fehlt
Wie prüft man einen Roboter, den man nicht anfassen kann? Man zeichnet ihn auf. Was folgt, ist unser Maßblatt des Agile ONE: jede veröffentlichte Zahl mit ihrer Herkunft — und jedes leere Feld als leeres Feld. Vier Kennwerte hat der Hersteller veröffentlicht — Größe, Gewicht, Gehgeschwindigkeit, Traglast. Alles Weitere, was durch Datenbanken geistert, stammt nicht von ihm. Die Werte stecken übrigens so unauffällig im Quelltext der Produktseite (als Zähler-Attribute, nicht als Text), dass automatische Prüfungen sie systematisch übersehen — wer nachprüfen will, muss den Rohquelltext lesen.

Höhe: 174 cm
Herstellerangabe der Produktseite — nicht gemessen, keine unabhängige Nachmessung. Damit ist er sechs Zentimeter größer als der 1X NEO.
Beleglage: Zählerattribut im Rohquelltext, abgerufen 13.08.2026 · weitergereicht von heiseGewicht: 69 kg
Herstellerangabe. Ob mit oder ohne Akku gewogen wird, sagt keine Quelle.
Beleglage: Herstellerangabe · keine unabhängige MessungGehtempo: 2,0 m/s
Das wären 7,2 km/h — zügiges menschliches Gehen. heise schreibt die Zahl ausdrücklich dem Unternehmen zu. Einen unabhängigen Gehnachweis gibt es nicht; nicht einmal freies Stehen ist unabhängig dokumentiert.
Beleglage: Herstellerangabe, von heise zugeschrieben · kein unabhängiger NachweisTraglast: 20 kg
Herstellerangabe — drei Kanäle, eine Quelle. Ob je Arm oder für beide zusammen, sagt niemand. Vorsicht: Der Roboterarm Thor 20 desselben Herstellers trägt ebenfalls 20 kg — dessen Werte gehören nicht zum Humanoiden.
Beleglage: Herstellerangabe · Definition offenHand: 21 Gelenke
Je Hand, laut Hannover-Kommunikation. Aber Gelenke sind keine Freiheitsgrade: Das Datenblatt der separat verkauften Agile Hand nennt für 21 Gelenke 15 bis 16 Freiheitsgrade — und keine Quelle sagt, dass der ONE genau diese Hand trägt.
Beleglage: Herstellerangabe · Freiheitsgrade daraus NICHT ableitbarFreiheitsgrade gesamt: nicht veröffentlicht
Die kursierende Formel „71 DoF" steht auf keiner Herstellerseite — sie setzt Gelenke mit Freiheitsgraden gleich und liegt damit allein bei den Händen um rund zehn zu hoch.
Geprüfter Negativbefund, Stand 13.08.2026 · vier Herstellerdokumente im VolltextAkkulaufzeit: nicht veröffentlicht
heise hält ausdrücklich fest, es bleibe unklar, wie lange der Roboter mit einer Ladung arbeitet. Die kursierenden „bis zu acht Stunden" stehen auf keiner Herstellerseite.
Geprüfter Negativbefund · beste Quelle sagt das Gegenteil der Datenbank-ZahlAktuatorik: nicht veröffentlicht
Keine Angabe zu Motoren, Getrieben oder Drehmomenten — die Antriebe sind das bestgehütete leere Feld dieser Zeichnung.
Geprüfter Negativbefund, Stand 13.08.2026CE-Kennzeichnung: in keiner Quelle belegt
Gehört in den Zeichnungskopf, nicht als Konformitätsaussage. Für den gehenden Teil eines Humanoiden existiert ohnehin noch keine fertige Norm — Details im Recht-Kapitel weiter unten.
Geprüfter Negativbefund, Stand 13.08.2026Scrollen vermisst die Zeichnung Station für Station. Die Figur ist eine KI-Zeichnung nach Herstellerbildern, kein Foto; alle Werte sind Herstellerangaben, kein Wert ist unabhängig nachgemessen. Die leeren Felder sind geprüfte Negativbefunde mit Stand 13.08.2026.
Der DLR-Hintergrund
Agile Robots ist keine Silicon-Valley-Neugründung. Das Unternehmen wurde 2018 als Spin-off aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegründet — genauer: aus dem Institut für Robotik und Mechatronik in Oberpfaffenhofen, das seit Jahrzehnten zu den weltweit führenden Adressen für Roboterhände mit Kraft-Feedback und Mensch-Roboter-Interaktion gehört. Wer je ein Video des DLR-Forschungsroboters „Justin” gesehen hat, weiß, aus welcher Schule dieses Haus kommt.
Mit diesem Erbe hat Agile Robots am 19. November 2025 den Agile ONE vorgestellt — den ersten vollständigen Industrie-Humanoiden aus dem deutschsprachigen Raum. Der Hersteller vermarktet ihn als nächste Stufe der Physical AI — Künstliche Intelligenz, die nicht im Rechenzentrum bleibt, sondern in der physischen Welt zupackt. Diese Akte hält fest, was seither belegt ist. Und sie beginnt mit dem Satz, der über allem steht: Der Konzern dahinter ist die substanzreichste humanoid-nahe Industriegruppe Europas — und keine dieser Substanzen gehört bislang nachweislich dem Humanoiden.
„Anfang 2026” — der Serienstart, den bis heute niemand vermeldet hat
Am 19. November 2025 kündigte Agile Robots an, die Serienfertigung des Agile ONE beginne „Anfang 2026” in einer neuen Produktionsstätte in Bayern. Wörtlich: „Die Serienfertigung von Agile ONE soll Anfang 2026 in einer neuen Produktionsstätte in Bayern starten.”
Am 13. August 2026 haben wir den Newsroom des Herstellers über den gesamten Zeitraum seither durchgesehen, in der deutschen und der englischen Fassung. Im Fenster liegen elf Mitteilungen — vom Launch selbst über die Thyssenkrupp-Übernahme, den Startknopf für die Münchner KI-Cloud, Google DeepMind und die Hannover Messe bis zur Indien-Meldung vom 3. August. Keine dieser elf Mitteilungen meldet einen Produktionsstart, eine Werkseröffnung, eine gefertigte Einheit, eine Auslieferung oder einen Kunden des Agile ONE.
Zwei Einträge sind besonders aussagekräftig. Die Mitteilung vom 4. Februar 2026 fällt mitten in das angekündigte Zeitfenster und äußert sich zur Fertigung — aber weiterhin in der Zukunftsform: „It will be manufactured in-house in Germany.” Das ist mehr als Schweigen: Hier spricht der Hersteller selbst über die Fertigung und stellt sie in die Zukunft. Und die Hannover-Messe-Mitteilung vom 20. April 2026, vier Monate nach dem angekündigten Serienstart und der PR-Höhepunkt des Jahres — der ONE begrüßte dort Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche —, verliert zum Produktionsstatus kein Wort. Ein Messeauftritt belegt einen lauffähigen Prototyp im Vorführbetrieb, keine Serienfertigung.
Der Hersteller hatte sich außerdem selbst eine Frist gesetzt. elektronikpraxis hielt am Tag der Vorstellung nach Unternehmensangaben fest: Die kommenden sechs Monate wolle man nutzen, um den Roboter technisch und funktional so weit zu bringen, dass er Pilotkunden messbaren Nutzen liefert — „Erst danach will Agile über Geschäftsmodelle wie Kauf, Leasing oder nutzungsbasierte Modelle sprechen.” Diese sechs Monate liefen um den 19. Mai 2026 ab. Bis zum 13. August steht kein Eintrag, der ein Geschäftsmodell, einen Preis oder einen benannten Pilotkunden nennt. Zugesagt war nicht, einen Preis zu veröffentlichen — zugesagt war, darüber zu sprechen. Auch das steht aus.
Die Grenzen dieses Befunds gehören dazu: Er beweist nicht, dass nicht produziert wird — er beweist, dass kein Anlauf vermeldet wurde. Agile Robots ist nicht börsennotiert und unterliegt keiner Meldepflicht; eine still angelaufene Kleinserie ist möglich, und ein Newsroom kann redaktionell kuratiert sein. Aber auch die unabhängige Fachpresse meldet bis zum 13.08.2026 keinen Anlauf; sie referiert die Planung durchgängig weiter in der Zukunftsform. Eine Presseanfrage — „Wie viele Agile ONE haben 2026 das Werk verlassen?" — ist unterwegs.
Die Hand: 21 Gelenke sind nicht 21 Freiheitsgrade
In der Fachpresse kursiert die Formel „71 degrees of freedom, including 21 in each hand”. Diese Zahl ist unbelegt: Agile Robots nennt sie weder in der Launch-Mitteilung noch auf der Produktseite. Der Hersteller schreibt an beiden Stellen von Gelenken, nicht von Freiheitsgraden — „21 joints” auf der Produktseite, „21 articulation points per hand” in der Hannover-Kommunikation. Dieselbe Produktseite beschreibt die Hände mit modular fingers — tauschbaren Fingermodulen — samt integrierter Kraft- und Taktilsensorik; in der Fachsprache laufen solche Fünffingerhände als dexterous hands. Wo die Sensorik genau sitzt, etwa als Fingerspitzensensoren, präzisiert keine der Seiten. Der Unterschied ist keine Wortklauberei: Ein Freiheitsgrad ist eine unabhängig ansteuerbare Bewegungsachse; ein Gelenk kann mit anderen gekoppelt sein und teilt sich dann einen Antrieb.
Dass 21 keine Freiheitsgradzahl sein dürfte, stützt ein Dokument des Herstellers selbst: das Datenblatt der Agile Hand, einer einzeln vertriebenen Roboterhand für Industriearme — die robotische Hand als eigenständiges Produkt. Der Prospekt weist ihr 21 Gelenke und 15 bis 16 Freiheitsgrade zu — 16 mit dem optionalen Oppositionsdaumen, also als Ausbaustufe, nicht als Grundausstattung. Eine Fünffingerhand dieser Baureihe erreicht bei 21 Gelenken rund 16 Freiheitsgrade; die kursierende 71er-Formel liegt damit allein bei den Händen um rund zehn zu hoch.
Und hier ist die Grenze, die wir nicht überschreiten: Keine Agile-Robots-Quelle sagt, dass der Agile ONE genau diese Hand trägt. Die Agile-Hand-Seite erwähnt den ONE nicht, der Prospekt beschreibt ein Anbauwerkzeug (einen „Endeffektor”) mit Standard-Werkzeugflansch für Industrieroboter, und zwei Details sprechen sogar gegen Bauformgleichheit: Die Taktilsensorik ist bei der Agile Hand ausdrücklich eine Option, beim ONE laut Produktseite Standard — und das Blatt ist älter als der ONE selbst. Die Kennwerte des Blatts (1,5 kg, 10 N Fingerspitzenkraft, 360°/s) sind deshalb Werte der Agile Hand, keine Werte des Agile ONE. Eine oft mitgelieferte Herkunftsbehauptung übernehmen wir ebenfalls nicht: Von einer DLR-Weltraumhand steht im Prospekt nichts — belegt ist nur die unspezifische Angabe, eine „space-qualified version” sei in Tests eingesetzt worden, ohne Agentur, Mission oder Datum.
Zwei Zahlen, die wir nicht führen
71 Freiheitsgrade und bis zu acht Stunden Akku laufen durch fast jede Roboterdatenbank. Wir führen beide nicht — nicht, weil wir sie für falsch halten, sondern weil sie öffentlich unbelegt sind. Agile Robots nennt sie auf keiner eigenen Seite; alle vier zentralen Herstellerdokumente haben wir am 13.08.2026 im Volltext geprüft. Die Launch-Pressemitteilung enthält überhaupt keine einzige Kennzahl, und die gesamte Launch-Berichterstattung vom November 2025 kommt ohne die beiden Zahlen aus — aufgetaucht sind sie erst in der Woche vom 22./23. Januar 2026 bei zwei Fachdiensten.
Zur Akkulaufzeit sagt die beste verfügbare Quelle sogar das Gegenteil: heise hielt am 21. November 2025 ausdrücklich fest, es bleibe unklar, welche Antriebe verbaut sind und wie lange der Roboter mit einer Ladung arbeitet. Was wir ausdrücklich nicht behaupten: dass die Zahlen falsch sind. Ein nicht öffentliches Pressekit im Januar ist möglich — mindestens ein Fachdienst schreibt die Werte dem Hersteller ausdrücklich zu. Belegbar ist nur: öffentlich unbelegt, und im Fall des Akkus im Widerspruch zur heise-Feststellung. Der Befund ist datiert — er sagt „bis zum 13.08.2026 nicht veröffentlicht”, nicht „wird nie veröffentlicht”.
Was macht Agile ONE anders?
Der Kern-Vorteil ist feinmotorische Manipulation mit Kraft-Feedback. Die meisten amerikanischen Humanoide setzen primär auf bildbasierte Planung — sie sehen, wo etwas ist, und greifen dann zu. Agile ONE kombiniert das laut Hersteller mit haptischer Sensorik: Er spürt, wie viel Kraft er auf ein Werkstück ausübt, und korrigiert in Echtzeit. Das zielt auf Präzisionsmontage, empfindliche Werkstücke und feinmotorische Industrie-Aufgaben. Die Produktseite verortet ihn „in manufacturing, logistics, and beyond” — in Fertigung, Logistik und darüber hinaus. Zur Wahrnehmung nennt sie intelligente Kameras, Lidar und Spracherkennung, dazu ein Brust-Display und einen Näherungssensor für die räumliche Präsenz — alles Herstellerangaben, nichts davon unabhängig getestet. Ob weitere Näherungssensoren im Körper verteilt sind, wie viel Aufgabenplanung AgileCore autonom übernimmt und ob das System in Simulationen trainiert wird, führt keine Herstellerseite aus.
Ehrlichkeits-Hinweis aus unserem Beleg-Audit: Diese Stärken beschreiben das Design-Ziel und die DLR-Arm-Tradition. Die berühmte Steckverbinder-Bestleistung der Robotik Challenge 2025 (Economic Efficiency Award, begründet mit der „mit Abstand schnellsten Fertigungszeit”) erzielten zwei Diana-7-Roboterarme — für den Humanoiden selbst ist Präzisionsmontage nicht unabhängig belegt. Die vielzitierten 2:25 Minuten stehen nicht auf der Ergebnisseite der Challenge, sondern im euronews-Bericht vom 23.04.2026, dort in eigener Stimme der Redaktion. Unabhängig belegt ist für den ONE bislang: Er sieht, greift und packt am Messestand — so hielt es der heise-Redakteur in der Bildunterschrift seines eigenen Messefotos fest.
Die zwei Geschäfte: 600 Millionen Euro — und kein Euro davon aus dem Humanoiden
Agile Robots verdient sein Geld nicht mit dem Roboter, der auf dieser Seite steht. Firmenchef Zhaopeng Chen sagte dem Wall Street Journal in einem am 2. August 2026 veröffentlichten Interview, der Konzern habe 2025 rund 300 Millionen Euro Umsatz gemacht und wolle 2026 auf rund 600 Millionen kommen; Reuters gab das Interview am 3. August wieder. Für 2024 nennt eine eigene Mitteilung rund 200 Millionen Euro.
Kein Euro davon ist dem Agile ONE zugeordnet. Das Geld kommt aus dem Automatisierungsgeschäft: Roboterarme, mobile Transportroboter (AMRs) für den Materialtransport, Anlagenbau — Automatisierungslösungen quer durch die Industrie. Wie sich der Umsatz auf die Bereiche verteilt, hat Agile Robots nie veröffentlicht — wir können deshalb nur sagen, woher er nicht belegt kommt. In den Wiedergaben des Interviews taucht der Humanoide durchaus auf, als Zukunftsthema; als Umsatzträger nennt ihn keine.
Alle drei Zahlen sind Unternehmensangaben, keine geprüften Werte — einen veröffentlichten Konzernabschluss der Agile Robots SE haben wir nicht gefunden. Die scheinbare Belegvielfalt ist außerdem keine: Vier Finanzportale zitieren denselben Reuters-Draht, zwei Fachdienste lesen dasselbe WSJ-Interview. Alles hängt an einem Gespräch. Und die Reihe ist nicht, wonach sie aussieht: Dieselbe Mitteilung, die die 200 Millionen für 2024 nennt, behauptet eine jährliche Umsatzverdopplung — von 200 auf 300 Millionen sind es aber 50 Prozent. Der Sprung auf 600 Millionen wäre zudem nicht allein gewachsenes Geschäft: Die Thyssenkrupp-Automatisierungssparte gehört erst seit dem 1. April 2026 zum Konzern; die Jahre 2025 und 2026 beziehen sich also nicht auf denselben Konzernumfang. Dass die Ziele „durch bereits unterzeichnete Kundenverträge weitgehend abgesichert” seien, ist Chens eigene Darstellung — und kein einziger dieser Verträge ist öffentlich mit dem Humanoiden verbunden.
Zur Finanzierung nennt dasselbe Interview rund 1,5 Milliarden US-Dollar unter Führung von SoftBank — deutlich mehr, als wir bisher führten. Auch das ist eine Gesamtsumme aus einem Interview: nicht nach Finanzierungsrunden aufgeschlüsselt, möglicherweise samt Fremdkapital und Übernahmefinanzierung. Einzeln belegt ist vor allem die Series C von 2021 (220 Millionen US-Dollar, SoftBank Vision Fund 2 als Lead). Bloomberg meldete am 2. Juni 2026 Verhandlungen über weitere rund 800 Millionen — eine Abschlussmeldung gibt es bis heute nicht. Diese Milliarden finanzieren einen Automatisierungskonzern; keine Quelle ordnet einen Anteil dem Humanoiden zu.
Gibt es einen Kunden für den Agile ONE?
Auf die Kernfrage gibt bis heute keine öffentliche Quelle eine Antwort. Weder der Newsroom noch heise, The Robot Report, automationspraxis oder cleanthinking nennen einen Käufer, Besteller, Pilotpartner oder eine ausgelieferte Einheit. Das ist ein Fehlen von Belegen, kein Beweis der Abwesenheit — ein Kunde unter Geheimhaltung kann existieren; im Automobilumfeld ist das üblich.
Was es gibt, ist ein Vertriebssatz des CEO gegenüber Manufacturing Dive (April 2026): Man spreche mit ausgewählten Partnern und Erstkunden — „not so much about Agile ONE as a standalone solution, but as a primary component within a wider intelligent production system”. Es wird gesprochen. Kein Name, kein Vertrag, kein Liefertermin. Und der zweite Halbsatz begrenzt die Aussage: Gegenstand der Gespräche ist der ONE ausdrücklich nicht als eigenständige Lösung.
Wer nachrecherchiert, stößt auf drei Fallen — wir benennen sie, damit sie reproduzierbar bleiben:
- Der Zukunftsausblick, der als Befund gelesen wird. Im Netz kursiert, der ONE habe dank der Thyssenkrupp-Übernahme das kommerzielle Deployment im Automobilsektor begonnen. Die Wurzel ist ein KI-gestützter Marktanalyse-Blog — und dort steht der Satz im Abschnitt „Forward-Looking Insights”: worauf man achten solle, nicht was geschehen ist. Suchmaschinen-Zusammenfassungen heben ihn trotzdem als Tatsache.
- Fremde Pilotprojekte, die Agile Robots zugeschrieben werden. „Bei Foxconn, BYD, Geely und FAW-Volkswagen laufen Pilotprojekte mit mehreren Hundert Robotern” — der Satz stimmt, nur handelt er bei cleanthinking wörtlich von UBTECH, Unitree „und anderen chinesischen Herstellern”. Mit Agile Robots hat er nichts zu tun; eine Suchmaschinen-Zusammenfassung hat ihn während unserer Prüfung trotzdem genau so zugeordnet.
- Konzernzahlen, die zu Humanoid-Zahlen werden. Die „über 20.000” installierten Systeme gehören zum Automatisierungsgeschäft; Foxconn ist zugleich Investor; die BMW-Verbindung läuft über die übernommene BMW-Ausgründung Idealworks; der Bharat-Forge-Vertrag (eine Absichtserklärung vom Januar 2026) betrifft Automationsplattformen, nicht den ONE.
Zwei Vorgänge sehen schließlich wie ein Einsatz aus und sind keiner: der Knopfdruck von München (nächstes Kapitel) — und der geplante Ersteinsatz im eigenen Werk, der eine Absichtserklärung vom November 2025 ist, kein dokumentierter Einsatz. Kursierende Stückzahlen (1.000 bis 5.000 für 2026) sind Planungsgrößen aus der Launch-Berichterstattung; The Robot Report hält am selben Anlass fest, dass Agile Robots weder Stückzahlen noch einen Preis genannt hat.
Der Knopfdruck von München
Der prominenteste Auftritt des Agile ONE fand nicht auf der Hannover Messe statt, sondern am 4. Februar 2026: Im Münchner Tucherpark ging die Industrial AI Cloud von Deutscher Telekom und NVIDIA in Betrieb — anwesend Telekom-Chef Höttges, Vizekanzler Klingbeil, Ministerpräsident Söder. Zur Eröffnung drückte der Agile ONE einen Startknopf. Das ist der früheste dokumentierte öffentliche Auftritt des ONE und datiert unseren bisherigen Beleg (Hannover, April) um zweieinhalb Monate zurück.
Es ist ein zeremonieller Akt, keine Arbeitsleistung. Wie der Roboter gesteuert wurde — autonom, ferngesteuert, choreografiert —, sagt keine Quelle. Die Inszenierung lässt sich am Material der Veranstalterin selbst zeigen: Die Telekom dokumentiert zwei Einschaltakte desselben Tages, einen durch den Roboter und einen durch die Politik („connect Germany’s first AI factory to the grid”). Die Roboterfotos zeigen den ONE allein im Servergang — gestellte Pressefotografie. Dass Klingbeil unmittelbar danebenstand, sagt allein der Hersteller; die Telekom-Mitteilung desselben Tages erwähnt den Knopfdruck nicht, die des Bundesfinanzministeriums weder Roboter noch Firma.
Und die Geschäftsbeziehung läuft andersherum, als die Meldung nahelegt: Agile Robots ist Kunde dieser Cloud und kauft dort Rechenzeit — als „anchor-customer” erstveröffentlicht im November 2025. Die Anlage rechnet auf NVIDIA-GPUs; wer dort ein KI-Modell trainiert, dessen Industriedaten sollen Deutschland nicht verlassen — so das Verkaufsversprechen. Wer die Meldung als Humanoiden-Deal liest, verwechselt Einkauf mit Verkauf. In derselben Februar-Mitteilung steht zudem die bislang stärkste Autonomie-Behauptung zum ONE, in zwei Sprachfassungen unterschiedlich stark: englisch „operate autonomously”, deutsch „arbeiten weitestgehend autonom”. Beides ist Herstellerbehauptung ohne Aufgabe und Bedingungen; die Fachpresse gibt sie im Konjunktiv wieder. Eine Autonomie-Stufe trägt das nicht. Den Superlativ „Europas größte KI-Fabrik” übernehmen wir ebenfalls nicht — die Telekom selbst schreibt „one of the largest”.
Fürstenfeldbruck: der Ort, den der Hersteller nie schriftlich genannt hat
In beiden Sprachfassungen der Launch-Mitteilung steht kein Ortsname, nur „eine neue Produktionsstätte in Bayern”. Der Name Fürstenfeldbruck stammt aus der Berichterstattung über denselben Pressetermin — und wird dort ausdrücklich dem Unternehmen zugerechnet: dpa meldete „Der Agile One soll im oberbayerischen Fürstenfeldbruck entstehen, wie das Unternehmen mitteilt”, elektronikpraxis ordnet die neue Fabrik für „Advanced Robotic Systems” ein — CEO Chen: „Unsere Roboterfertigung in Kaufbeuren ist bereits zu klein.”
Drei Berichte sind hier keine drei Bestätigungen: Alle drei geben eine mündliche Unternehmensauskunft vom selben Tag wieder. Der Beleg trägt außerdem dreierlei ausdrücklich nicht: Es ist kein reines Humanoiden-Werk (sondern eine Fabrik, in der auch weitere Systeme entstehen sollen), Stückzahlen bleiben ungenannt („gibt das Unternehmen zunächst nicht bekannt” — dpa), und bis zum 13. August 2026 ist keine Werkseröffnung belegt — auch die für das erste Quartal 2026 angekündigte offizielle Werks-Ankündigung ist öffentlich nicht auffindbar.
In eigener Sache: Wir hatten den Ortsnamen am 30. Juli aus dieser Akte gestrichen, weil unser damals einziger Beleg (heise, 21.11.2025) nur „ein Werk in Bayern” schrieb. Die Streichung war für unseren damaligen Quellenbestand korrekt — der Fehler war das fehlende Nachsuchen. Der Ort kehrt zurück: als zurechenbare Unternehmensangabe vom Ankündigungstag, nicht als bestätigter Produktionsstandort.
Platz 7 — in einem Patent-Ranking
Ende Juli 2026 veröffentlichte LexisNexis die Auswertung „Humanoid Robotics: What Patent Data Reveals”. Untersucht wurden über 26.000 Patentfamilien aus drei Feldern, die Humanoide brauchen; bewertet mit dem hauseigenen Patent Asset Index, der nach Anbieterangabe Innovationskraft statt bloßer Portfoliogröße misst. In der Startup-Liste stehen sechs chinesische Unternehmen, drei amerikanische — und genau ein europäisches: Agile Robots auf Platz 7, zwischen Figure AI (6) und Apptronik (8).
Was Platz 7 nicht heißt: Gezählt wird ein Patentbestand, nicht gemessen ein Roboter. Die Studie schränkt selbst ein, dass ein gezähltes Patent auch Industrierobotern oder Medizingeräten dienen kann; wie hoch der humanoid-relevante Anteil ist, beziffert sie nicht. Ein zweiter Vorbehalt ist unserer: Der Listenfilter verlangt Unternehmen, bei denen Humanoide im Zentrum des Geschäfts stehen — bei einem Konzern, der sein Geld mit Roboterarmen verdient, ist genau das fraglich. Für unseren Bewertungsbogen ändert der Listenplatz nichts: Patente sind keine gemessene Fähigkeit. Erwähnenswert ist er trotzdem, denn er erklärt, warum ein europäischer Spitzenplatz im Patentranking und null belegte ausgelieferte Humanoide kein Widerspruch sind.
Der Markt, in den der ONE hineinsoll
Es gibt keine amtliche Statistik für humanoide Roboter, nur kommerzielle Schätzungen — und die weichen voneinander ab. Die derzeit meistzitierte (Smart Analytics Global, 10.08.2026, via Bloomberg): weltweit rund 19.100 ausgelieferte Humanoide im ersten Halbjahr 2026, mehr als 97 Prozent davon von chinesischen Anbietern; Stückzahlen nennt der Bericht nur für fünf chinesische Hersteller. Europa kommt als Herstellerregion überhaupt nicht vor — die einzige Europa-Stelle beschreibt den Kontinent als Absatzmarkt, in den AGIBOT expandiert.
Rechnerisch bliebe für alle Hersteller außerhalb Chinas zusammen eine Obergrenze von rund 570 Einheiten — das ist unsere Ableitung, kein SAG-Wert, und sie kollidiert hörbar mit Figures gemeldeter tausendster Einheit. Auflösen lässt sich das nur über die Frage, was „ausgeliefert” genau zählt, und die beantwortet der Bericht nicht. Dazu kommen die üblichen Vorbehalte: SAGs Kerngeschäft sind Mobilgeräte, die Robotik-Linie läuft erst seit April 2026, andere Häuser kommen zu anderen Zahlen. Eine kanonische Marktgröße existiert nicht.
Was bleibt, ist der ehrlichste Rahmen für alles auf dieser Seite: Der Agile ONE konkurriert nicht um Marktanteile. Er konkurriert um den Eintritt in einen Markt, in dem Europa in der meistzitierten Auslieferungsstatistik nicht einmal als eigene Zeile vorkommt. Ausdrücklich unbelegt bleibt dabei: Der SAG-Bericht erwähnt Agile Robots nicht — er sagt nicht, dass keine Humanoiden ausgeliefert wurden; er misst es gar nicht.
Recht: Was ab dem 20. Januar 2027 gilt — und warum es fürs Gehen keine Norm gibt
Am 20. Januar 2027 löst die EU-Maschinenverordnung 2023/1230 die alte Maschinenrichtlinie ab. Interessant für Humanoide ist ihr Anhang I Teil A: Maschinen, bei denen selbstlernendes Verhalten Sicherheitsfunktionen gewährleistet, dürfen sich der Hersteller nicht mehr selbst bescheinigen — alle Wege führen dann über eine notifizierte Stelle, also einen unabhängigen Prüfer. Die meisten Ratgeber unterschlagen die Abgrenzung: Wer die Sicherheit klassisch-deterministisch absichert und die KI nur planen und greifen lässt, fällt nicht darunter und bleibt bei der internen Fertigungskontrolle. Ob Agile Robots den ONE so baut, dass ein lernendes System Sicherheitsfunktionen trägt, sagt keine unserer Quellen — die Frage ist offen, nicht beantwortet.
Für den gehenden Teil eines Humanoiden gibt es außerdem bis heute keine fertige Norm. Die Norm, die diese Bauart abdecken soll — ISO 25785-1 für dynamisch stabile mobile Roboter, ausdrücklich auch zweibeinige — steht am 13.08.2026 im ISO-Katalog als Entwurf „under development”. Die bestehende Industrieroboter-Normenreihe (ISO 10218, neu aufgelegt 2025) klammert die Fortbewegung ausdrücklich aus, und in der EU-Normenliste ist ohnehin noch die Fassung von 2011 gelistet. Praktisch heißt das: keine harmonisierte Norm und damit keine Konformitätsvermutung — also keine Abkürzung, bei der die Einhaltung einer Norm automatisch als Einhaltung des Gesetzes gilt. Die CE-Kennzeichnung bleibt möglich, aber der Hersteller muss die Sicherheit des Gehens vollständig selbst begründen. Das trifft den deutschen Anbieter genauso wie jeden Importeur; der oft beschworene „Heimvorteil” ist ein Zugriffs-, kein Anforderungsunterschied. Untätig ist Agile Robots nicht: Man arbeite in Europa an neuen Sicherheitsstandards für Humanoide mit, sagte CEO Chen im November 2025. Und dass der ONE überhaupt läuft, ist — siehe Vermessung — eine Herstellerangabe.
Deutsches Unternehmen, chinesische Geldgeber: der Streit um Franka Emika 2023
Vorab die Abgrenzung, die hier alles trägt: Was folgt, spielte im Herbst 2023 und betrifft den Konzern, nicht den Agile ONE — der wurde erst zwei Jahre später vorgestellt. Aus nichts hiervon lässt sich etwas über den Roboter, seine Fertigungstiefe oder Lieferkette ableiten.
Als der Münchner Roboterarm-Hersteller Franka Emika 2023 insolvent war, boten drei Parteien um den Geschäftsbetrieb — darunter Agile Robots. Kurz vor der Entscheidung schalteten die konkurrierenden Bieter (die Beteiligungsgesellschaft der Schoeller-Brüder) über Anwälte das Bundeswirtschaftsministerium ein: Agile sei „faktisch ein durch in China ansässige Gesellschaften und Institutionen kontrolliertes Unternehmen”; sechs von sieben Aufsichtsräten seien chinesische Staatsbürger, produziert werde vornehmlich in Peking und Shenzhen. Das ist eine zurechenbare Behauptung aus einem Anwaltsschreiben konkurrierender Bieter — keine behördliche Feststellung.
Agile Robots widersprach, nannte als Geldgeber „der japanische Technologiekonzern Softbank sowie der Elektronikfertiger Foxconn aus Taiwan” — wobei die Foxconn-Zuordnung strittig bleibt: Gemeint ist Foxconn Industrial Internet, die in Shenzhen ansässige, in Shanghai börsennotierte Tochter des taiwanischen Hon-Hai-Konzerns. Das Ministerium äußerte sich mit der üblichen Vertraulichkeitsformel; der Insolvenzverwalter erklärte, man habe „Fragen des Außenwirtschaftsrechts mit dem Bundeswirtschaftsministerium geklärt”. Ob je ein förmliches Prüfverfahren lief, ist unbelegt — behördlich bestätigt oder widerlegt ist der Kontrollvorwurf nicht. Agile Robots erhielt den Zuschlag (ein Asset-Deal aus der Insolvenz, also der Kauf des Geschäftsbetriebs, nicht der Firma; zum Preis nennt Business Insider 33 Millionen Euro). Franka Emika firmiert seither als Franka Robotics.
Ein Vorbehalt zum heutigen Stand: Alle Strukturangaben beschreiben 2023. Die Umwandlung zur Europäischen Gesellschaft (2024) kann die Gremien verändert haben; wir haben weder eine Gesellschafterliste noch eine aktuelle Aufsichtsratsbesetzung geprüft. Für 2026 sagen wir zur Eigentümerstruktur nichts.
Unser Urteil
Der wichtigste Beobachtungsposten der deutschen Humanoid-Robotik — und ein Produkt, dessen Geschäft es öffentlich noch nicht gibt. Auf der einen Seite: DLR-Erbe, ein Konzern mit realem Automatisierungsumsatz, Platz 7 im weltweiten Patentranking als einziger Europäer, ein lauffähiger Prototyp, der Kanzler und Ministerin begrüßt hat. Auf der anderen: ein angekündigter Serienstart, den seit neun Monaten niemand vermeldet, eine verstrichene selbstgesetzte Frist, kein benannter Kunde, kein Preis, vier veröffentlichte Kennwerte und ein Maßblatt voller leerer Felder.
Beides zusammen ist kein Widerspruch, sondern die präziseste Beschreibung des Standorts Deutschland in diesem Markt: Es gibt hier ein Industrieunternehmen mit einem Humanoiden — aber noch kein Humanoiden-Geschäft. Wer die Konzernzahlen in die Roboter-Schlagzeile hebt, erzählt eine Firmengeschichte und nennt sie Produktgeschichte. Für Industrie-Beobachter und den Wirtschaftsstandort bleibt der ONE Pflichtlektüre; für Käufer ist er bis auf Weiteres eine Kontaktanfrage ohne Preisliste. Privatkunden sind ausdrücklich nicht die Zielgruppe — da bleiben 1X NEO, Unitree G1 oder NEURA 4NE-1 Mini.
Quellen
Die tragenden Belege mit Wortlaut, URL und Abrufdatum stehen im Bewertungs-Apparat dieser Akte (Bewertungslog). Für dieses Dossier zusätzlich verwendet:
- Agile Robots — Newsroom, deutsch und englisch (Volltext-Durchsicht 19.11.2025–13.08.2026, geprüft 13.08.2026)
- Agile Robots — Launch-Mitteilung Agile ONE (19.11.2025)
- Agile Robots — Produktseite Agile ONE (Kennwerte als Zählerattribute, abgerufen 13.08.2026)
- heise online — Munich robotics company Agile Robots showcases its first humanoid robot (21.11.2025)
- heise online — Agile Robots: Learnable robotics for research and industry (21.04.2026, Messebericht)
- elektronikpraxis — Agile One: Humanoider Roboter aus München (19.11.2025, Sechs-Monats-Frist)
- dpa via Süddeutsche — Roboter „Agile One” soll in Bayern gebaut werden (19.11.2025, Fürstenfeldbruck-Zuschreibung)
- Manufacturing Dive — Q&A: Agile Robots CEO Zhaopeng Chen (10.04.2026)
- Reuters — Wiedergabe des WSJ-Interviews mit Zhaopeng Chen (03.08.2026, Umsatz- und Finanzierungsangaben)
- Deutsche Telekom — Industrial AI Cloud Media Kit (04.02.2026, zwei Einschaltakte)
- LexisNexis IP — Humanoid Robotics: What Patent Data Reveals (28.07.2026)
- Bloomberg — SAG-Halbjahreszahlen humanoide Roboter (10.08.2026, via Robotik-Woche KW 32)
- EUR-Lex — Verordnung (EU) 2023/1230 (Maschinenverordnung) (samt Berichtigung ABl. L 169/35)
- ISO — ISO/CD 25785-1, Status „under development” (abgerufen 13.08.2026)
- Der Spiegel / Business Insider / dpa — Berichterstattung zur Franka-Emika-Insolvenz (Oktober/November 2023)
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