Der Erste ist nicht mehr Erster. Zwei Tage bevor in Shanghai die Zeichnungsfrist für den ersten Börsengang eines Humanoiden-Herstellers endete, veröffentlichte ein Marktforscher die Auslieferungszahlen des ersten Halbjahres — und darin liegt Unitree hinter AgiBot. Es hat 9,8 Millionen Privatanleger nicht gestört: Sie zeichneten das 5.526-Fache dessen, was zu haben war. Der Markt bepreist eben keine Stückzahlen, sondern Erzählungen. Unitree hat in derselben Woche gleich zweimal an dieser Erzählung gearbeitet: erst mit einer eigenen Zahl in einer eigenen Zählweise, dann heute früh um 8:38 Uhr mit einem Roboter, der schneller laufen soll als der schnellste Mensch. Zehn Meldungen, jede gegen die Originalquelle geprüft — dazu ein Landkreis im Silicon Valley, der Humanoide genehmigungspflichtig machen will, neun von zwölf Teams, die vor echtem Feuer scheiterten, und ein Verbot, das ab heute gilt.

Die Meldungen der Woche

01 · MARKT

AgiBot überholt Unitree — und 97 Prozent aller Humanoiden kommen aus China

Der bekannteste Roboterhersteller der Welt ist nach Stückzahlen nur noch die Nummer zwei. Die Zahl, die das belegt, erschien zwei Tage vor dem Ende der Zeichnungsfrist für seinen Börsengang.

Am 10. August veröffentlichte der Marktforscher Smart Analytics Global seine Halbjahresstatistik für 2026. Weltweit wurden im ersten Halbjahr 19.100 humanoide Roboter ausgeliefert — nach 5.100 im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Plus von 272 Prozent, also fast eine Vervierfachung binnen eines Jahres.

An der Spitze steht nicht mehr Unitree. AgiBot, ein 2023 in Shanghai gegründetes Unternehmen, lieferte rund 8.400 Einheiten aus und kommt damit auf 44 Prozent des Weltmarkts — ein Wachstum von 562 Prozent. Unitree steht bei rund 5.900 Einheiten und 31 Prozent. Dahinter folgen Galbot mit etwa 900, UBTECH mit 700 und Leju mit 600 Einheiten.

Zwei weitere Zahlen aus derselben Erhebung ordnen das Bild ein. Chinesische Hersteller stellen über 97 Prozent aller weltweit ausgelieferten Humanoiden — und China ist zugleich über 85 Prozent der Nachfrage. Die Maschinen werden also nicht nur dort gebaut, sie bleiben auch dort. Und sie gehen fast nie in Privathaushalte: Industrielle und kommerzielle Anwendungen machen inzwischen über 70 Prozent der Auslieferungen aus, nach rund 50 Prozent im ersten Halbjahr 2025.

Was es heißt: Zwei Dinge muss man hier auseinanderhalten. Erstens steht in der Top-5-Liste kein einziger westlicher Hersteller. Figure, Tesla, Agility und Apptronik tauchen nicht auf — für alle nicht-chinesischen Anbieter zusammen bleiben im Halbjahr rechnerisch unter 600 Einheiten. Zweitens zählt diese Statistik Auslieferungen, nicht Nutzen. Ein ausgelieferter Roboter kann in einer Fabrik arbeiten oder in einem Labor stehen; die Statistik kennt den Unterschied nicht. Smart Analytics selbst schreibt, Haushalts-Humanoide seien mindestens fünf Jahre von einem Massenmarkt entfernt, und zählt Plattformen auf Rädern mit. Für unsere Akte zu Unitree heißt das trotzdem: Der Satz von der Weltmarktführerschaft nach Stückzahlen gilt seit dieser Woche nicht mehr — wir haben ihn heute korrigiert. Die Führung bei vierbeinigen Robotern ist davon unberührt, das ist eine andere Produktkategorie mit eigenem Beleg.

19.100 Einheiten im 1. Halbjahr+272 % gegenüber VorjahrAgiBot 44 % · Unitree 31 %China: über 97 % der Produktion
MARKT QUELLEN: SMART ANALYTICS GLOBAL, 10.08.2026 · HUMANOIDS DAILY, 11.08. · DIGITIMES, 12.08.
Endlose Reihen humanoider Roboter in Ladebuchten einer nächtlichen Fabrikhalle, eine Reihe im Scheinwerferlicht — KI-Illustration 8.400AGIBOT, 1. HALBJAHR 2026 KI-ILLUSTRATION · SYMBOLBILD
02 · BÖRSE

9,8 Millionen wollten zeichnen, 19.414 bekamen ein Los

Die Nachfrage nach der Unitree-Aktie war 5.526-mal größer als das Angebot. Das sagt weniger über das Unternehmen aus als über die Knappheit — und über eine Erzählung, die stärker ist als die Statistik aus Meldung eins.

Der Ablauf in Zahlen: Gezeichnet wurde am 10. August, das Losergebnis kam am Abend des 11., gezahlt wurde am 12. Die Tranche für Privatanleger war 5.526-fach überzeichnet, es gingen rund 9,8 Millionen Zeichnungen ein. Zugeteilt wurden 19.414 Gewinnnummern zu je 500 Aktien. Die Zuteilungsquote lag damit bei rund 0,018 Prozent: Wer 10.000 Aktien zeichnete, bekam rechnerisch knapp zwei.

Der Rahmen dazu ist seit KW 32 bekannt und hat sich nicht geändert: Ausgabepreis 150,80 Yuan, 40.446.434 neue Aktien und damit zehn Prozent des Unternehmens, Bruttoerlös rund 6,1 Milliarden Yuan, Unternehmenswert zum Ausgabepreis rund 61 Milliarden Yuan. Gehandelt wird am STAR Market in Shanghai unter dem Kürzel 688836. Unter den strategischen Investoren sind DeepSeek und Tencent.

Was weiterhin fehlt, ist der Termin. Der erste Handelstag ist amtlich nicht bekanntgegeben. In der Finanzpresse kursiert ein Fenster vom 17. bis 21. August, chinesische Quellen schreiben „Ende August, der Termin wird von der Börse mitgeteilt". Wir führen das deshalb nicht als Datum, sondern als Erwartung — die Bekanntmachung sagt ausdrücklich, dass die Börse zustimmen muss.

Was es heißt: Eine 5.526-fache Überzeichnung ist kein Urteil über das Geschäftsmodell. Sie entsteht, wenn ein sehr kleines Angebot auf eine sehr große Erzählung trifft — zehn Prozent Streubesitz bei der ersten börsennotierten Humanoiden-Firma Chinas. Interessant wird es erst danach: Mit der Notierung wird Unitree berichtspflichtig und muss regelmäßig geprüfte Zahlen vorlegen. Ab dann lässt sich die Erzählung an Bilanzen messen statt an Videos. Für Käufer der Roboter ändert sich vorerst nichts — G1 und R1 bleiben bestellbar, die Preise stehen in unserem Preis-Radar. Eine Warnung noch, weil sie sich hartnäckig hält: Gründer Wang Xingxing ist nicht 90 Jahre alt. Die chinesische Angabe „90后" bedeutet Jahrgang der Neunziger; er ist Mitte 30.

5.526-fach überzeichnet9,8 Mio. Zeichnungen19.414 Lose à 500 AktienHandelsstart amtlich offen
BÖRSE QUELLEN: GASGOO, LOTTERIE-ERGEBNIS · BLOOMBERG, 10.08. · VALUE ADD VC IPO-TRACKER
03 · KONTER

Unitree meldet 18.000 Roboter — und ändert dabei die Maßeinheit

Zwei Tage nach der Statistik, die Unitree auf Platz zwei setzte, meldete das Unternehmen eine eigene Zahl. Sie ist größer, sie stimmt vermutlich — und sie misst etwas anderes.

Am 12. August schrieb Unitree auf seinem Firmenaccount, man habe kumuliert rund 18.000 humanoide Roboter produziert und ausgeliefert, Datenstand Ende Juli. Der entscheidende Satz steht darunter, wörtlich: gezählt würden ausschließlich bionische zweibeinige Humanoide, ausgenommen andere Humanoid-Bauarten und radgetriebene Humanoid-Plattformen. Wir haben den Beitrag heute in der Timeline gegengelesen; er steht dort unverändert und hat inzwischen rund zwei Millionen Aufrufe.

Das ist unmissverständlich an AgiBot adressiert. Deren viel zitierte 15.000er-Marke vom 28. Juni fasst mehrere Baureihen zusammen — darunter die radgetriebene G-Serie. Unitree sagt also nicht „ihr rechnet falsch", sondern „rechnet meine Kategorie". Nach einem Bericht von Humanoids Daily entfallen über 11.000 der 18.000 auf den G1; das ist eine Einzelquelle und von uns nicht zweitbelegt.

Zwei Dinge muss man beim Vergleich der Zahlen trennen. Produziert ist nicht ausgeliefert — Unitrees 18.000 sind ein Produktionsstand, die 5.900 aus Meldung eins sind Auslieferungen eines Halbjahres. Und kumuliert ist nicht jährlich: In chinesischen Medien kursiert die Rechnung 18.000 minus 5.500 aus 2025 ergibt 12.500 „allein in diesem Jahr". Diese Subtraktion vermischt Produktion mit Auslieferung und unterschlägt die Jahre davor. Wir übernehmen sie nicht.

Was es heißt: Wenn zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Maßeinheiten dieselbe Führungsposition beanspruchen, ist die Kennzahl selbst zum Marketinginstrument geworden. Genau deshalb steht in unserer Unitree-Akte ab heute nicht nur die Korrektur, sondern auch, wer was zählt: 8.400 ausgelieferte Einheiten bei AgiBot nach Erhebung eines Marktforschers, 18.000 kumuliert produzierte Zweibeiner nach Angabe des Herstellers. Beide Zahlen sind wahrscheinlich richtig. Vergleichbar sind sie nicht.

18.000 kumuliert produziertnur zweibeinig gezähltStand Ende JuliHerstellerangabe
KONTER QUELLEN: UNITREE AUF X, 12.08.2026 (PRIMÄR, HEUTE GEGENGELESEN) · SECURITIES TIMES · GASGOO, 12.08.
04 · HEUTE FRÜH

Um 8:38 Uhr zeigte Unitree einen Roboter, der schneller sein soll als jeder Mensch

Diese Meldung ist wenige Stunden alt und gehört streng genommen schon in die nächste Woche. Sie steht trotzdem hier, weil sie den dritten Akt derselben Geschichte liefert: Wer die Stückzahlkrone verliert, holt sich eine andere.

Heute Morgen um 8:38 Uhr veröffentlichte Unitree ein 30-sekündiges Video unter dem Titel „Superman". Die genannten Werte: zwei Meter Standhochsprung, Spitzengeschwindigkeit 12,66 Meter pro Sekunde — bei einer Beinlänge von 0,85 Metern. Dazu die Behauptung, damit würden die Rekorde aller Menschen im Standhochsprung und im Laufen übertroffen. Das Gerät sei „etwas über drei Monate" in Entwicklung, mit erheblichem Verbesserungspotenzial in den kommenden Monaten.

Zur Einordnung der Geschwindigkeit gibt es einen belastbaren menschlichen Vergleichswert: Bei seinem Weltrekordlauf 2009 in Berlin erreichte Usain Bolt eine gemessene Spitzengeschwindigkeit von 12,27 Metern pro Sekunde. Unitrees Angabe liegt rund drei Prozent darüber. Beim Standhochsprung ist die Vergleichslage dünner, weil die Disziplin seit 1912 nicht mehr olympisch ist; der damalige Olympiasieger kam auf 1,63 Meter.

Was es heißt: Hier ist Vorsicht angebracht, und zwar in drei Punkten. Erstens ist das eine Herstellerangabe aus einem eigenen Video, ohne unabhängige Messung, ohne Angabe der Messstrecke und ohne Nennung eines Produktnamens oder Termins — „Preview" heißt genau das. Zweitens ist eine Spitzengeschwindigkeit nicht dasselbe wie eine Laufleistung: Bolts Wert stammt aus einem 100-Meter-Lauf mit Start aus dem Block, Unitree nennt keine Strecke. Drittens sagt Sprintvermögen nichts über den Nutzen aus — kein Lager der Welt sucht einen Roboter, der zwei Meter hoch springt. Für die Erzählung ist es dennoch der perfekte Wochenabschluss: Am Montag verliert Unitree den ersten Platz nach Stückzahlen, am Mittwoch ändert es die Zählweise, am folgenden Montag zeigt es einen Rekord. Wir führen das Gerät bis auf Weiteres nicht im Release-Radar — eine Vorschau ohne Namen und Termin ist keine Ankündigung.

Post 17.08., 8:38 Uhr12,66 m/s laut Hersteller2,00 m Standhochsprungkein Name, kein Termin
HEUTE FRÜH QUELLE: UNITREE AUF X, 17.08.2026, 8:38 UHR (PRIMÄR) · MENSCHLICHER VERGLEICHSWERT: BIOMECHANIK-MESSUNG WM BERLIN 2009
05 · POLITIK

Der erste Landkreis der USA will Humanoide genehmigungspflichtig machen — im Silicon Valley

Nicht Brüssel reguliert zuerst, sondern der Landkreis vor der Haustür der Hersteller. Und es trifft ausgerechnet das Geschäftsmodell, das wir vergangene Woche in Gütersloh beschrieben haben.

Am Dienstag, 11. August, hat das Board of Supervisors von San Mateo County — direkt südlich von San Francisco — einstimmig eine Resolution beschlossen. Sie beauftragt die Verwaltung, eine Genehmigungspflicht für den kommerziellen Einsatz humanoider Roboter auszuarbeiten. Es wäre die erste kommunale Regelung dieser Art in den Vereinigten Staaten. Eingebracht hat sie Ray Mueller, Supervisor des dritten Bezirks; im Vorgangsverzeichnis läuft sie unter der Nummer 26-627.

Der amtliche Beschlusstext benennt die Themenfelder, die die künftige Satzung abdecken soll: öffentliche Sicherheit, Cybersicherheit und Datenschutz, Barrierefreiheit, Abstimmung mit Rettungskräften, Rechenschaftspflicht der Betreiber — und Gebühren, aus denen Feuerwehrausrüstung gegen Lithium-Ionen-Brände finanziert wird. Das letzte Detail ist das aufschlussreichste: Der Landkreis denkt bereits an brennende Akkus in Gebäuden.

Wichtig für die Einordnung ist die Trennung zwischen Beschluss und Berichterstattung. In Fachmedien kursieren zusätzliche Elemente — eine Pflicht zum Not-Aus-Schalter, eine Aufsichtspflicht durch geschulte Menschen vor Ort, eine Abgabe bei Arbeitsplatzverlusten. Diese Punkte stehen nicht im Beschlusstext. Sie sind Erwartungen an den Entwurf, nicht beschlossenes Recht. Und noch grundsätzlicher: Es ist kein Gesetz, sondern ein Arbeitsauftrag. Anhörungen und eine zweite Abstimmung folgen.

Was es heißt: Der Punkt, an dem diese Meldung konkret wird, ist die Aufsichtspflicht. In San Francisco vermietet das Start-up Tau Robotics ferngesteuerte Reinigungsroboter auf Basis des Unitree G1 für 30 US-Dollar pro Stunde. Ein Mensch am Regler sitzt dabei irgendwo — das ist der Kern des Modells. Eine Pflicht, geschulte Menschen vor Ort zu stellen, würde genau diese Rechnung zerlegen. Damit trifft die erste Regulierung nicht die autonomen Maschinen, über die alle reden, sondern die ferngesteuerten, über die wir vergangene Woche geschrieben haben. Drei kursierende Details lassen wir bewusst weg: ein Mueller-Zitat, das nirgends im Wortlaut belegt ist, ein angeblicher Gerätewert von 50.000 Dollar, und die Behauptung, 1X baue sein zweites Werk in diesem Landkreis — sie widerspricht der eigenen Kommunikation des Unternehmens.

Beschluss 11.08., einstimmigFile 26-627noch kein GesetzAnhörungen folgen
POLITIK QUELLEN: LEGISTAR FILE 26-627 (PRIMÄR) · KQED, 12.08. · ABC7
Leerer amerikanischer Ratssaal in der Abenddämmerung, ein einzelner humanoider Roboter steht im Mittelgang vor dem Podium — KI-Illustration 26-627AKTENZEICHEN DES BESCHLUSSES KI-ILLUSTRATION · SYMBOLBILD
06 · WETTKAMPF

Vor echtem Feuer scheiterten neun von zwölf Teams

Die Branche, die mit makellosen Kung-Fu-Videos viral geht, bekam am Sonntag vor einem brennenden Übungsgelände ein Ventil nicht zu. Es ist die ehrlichste Zahl dieser Ausgabe.

Die zweiten World Humanoid Robot Games laufen vom 22. bis 26. August im Pekinger Eisschnelllauf-Oval. Die Szenario-Wettbewerbe haben aber schon am Sonntag, 16. August, begonnen — und der erste war der härteste. Die Aufgabe beim Feuerwehr-Wettbewerb, gestellt mit echten Bränden der Pekinger Berufsfeuerwehr: binnen 30 Minuten zwei Gefahrstoffe erkennen, drei Ventile zudrehen, einen Feuerlöscher finden und löschen.

Laut einem Vor-Ort-Bericht der Global Times traten zwölf Teams an — drei beendeten die Aufgabe. Gemeldet hatten sich 23. Wir schreiben diese Zahlen ausdrücklich der Global Times zu; sie stehen bislang in keiner zweiten Quelle.

Die Gesamtzahlen des Turniers ließen sich dagegen gegen die offizielle Mitteilung der Pekinger Stadtregierung prüfen: 2.056 Roboter, 666 Teams, 16 Länder. Gegenüber der Premiere 2025 mit 280 Teams ist das ein Plus von 138 Prozent. Deutschland ist ausdrücklich unter den ausländischen Teilnehmern genannt. Verschärft wurden auch die Regeln: Fernsteuerung ist weitgehend verboten, Autonomie zählt in den Szenario-Disziplinen doppelt, und die Zeitlimits wurden drastisch gekürzt — für 100 Meter von drei Minuten auf eine.

Was es heißt: Hier treffen zwei Datensätze aufeinander, die dasselbe sagen wie der Aufmacher. Von 666 Teams sind 641 chinesisch — nach unserer eigenen Subtraktion aus den Veranstalterzahlen sind das rund 96 Prozent der Startaufstellung bei einer Weltmeisterschaft. Und die Disziplin, die dem Alltag am nächsten kommt, hat eine Erfolgsquote von einem Viertel. Genau das ist der Grund, warum wir in unserer Methodik zwischen Demo, Teleoperation und echter Autonomie trennen: Ein Video zeigt den besten Versuch, ein Wettbewerb zeigt die Quote. Eine Zahl haben wir übrigens nicht übernommen — die Angabe des Organisators, die Roboterzahl habe sich „verdoppelt". Rechnet man von rund 500 Robotern im Vorjahr, ist es eher eine Vervierfachung; wir bleiben deshalb bei der geprüften Teamzahl.

3 von 12 bestanden30 Minuten Zeit2.056 Roboter · 666 TeamsHauptprogramm ab 22.08.
WETTKAMPF QUELLEN: PEKINGER STADTREGIERUNG, 15.08. (PRIMÄR) · GLOBAL TIMES, VOR-ORT-BERICHT 16.08. · GLOBAL TIMES ZU DEN REGELÄNDERUNGEN
Humanoider Roboter greift an einem Rohrgestell mit Industrieventilen nach einem Rad, dahinter echtes Feuer und Rauch auf einem Übungsgelände — KI-Illustration 30 minZEIT FÜR DIE GESAMTE AUFGABE KI-ILLUSTRATION · SYMBOLBILD
07 · DEUTSCHLAND

NEURA kauft Bosch Rexroth eine Produktlinie ab — und der VDMA schießt gegen Washington

Zwei deutsche Meldungen an einem Tag, die zusammengehören: Ein Start-up übernimmt vom Weltkonzern, und ein Verband warnt, dass genau solche Unternehmen aus dem größten Zielmarkt ausgesperrt werden.

Am 13. August wurde bekannt, dass NEURA Robotics Hard- und Software des fahrerlosen Transportsystems „ACTIVE Shuttle" von Bosch Rexroth übernimmt, einschließlich des künftigen Kundendienstes. Wirksam wird die Übernahme zum 1. Oktober 2026; das Geschäft wandert in die Neura Mobile Robots GmbH. Die vorhandene Flottenverwaltung und die Navigationssoftware bleiben erhalten, NEURAs KI-Funktionen kommen dazu. Nicht genannt: Kaufpreis, übernommene Beschäftigte, installierte Basis. Eine Original-Pressemitteilung war für uns nicht auffindbar — die Meldung stützt sich auf drei unabhängige Fachmedien.

In dieselbe Woche fällt eine ungewöhnlich sichtbare Medienrunde von NEURA-Gründer David Reger. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt er den Satz „Ich will der größte Steuerzahler Europas werden" und nennt den Rahmen: eine Finanzierungsrunde von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar mit Amazon, Nvidia, Schaeffler, Bosch und der Agnelli-Holding unter den Geldgebern, rund eine Milliarde Euro Auftragsvolumen, einen Preis von etwa 60.000 Euro für den 4NE-1 und das Ziel von einer Million Robotern bis 2030.

Am selben Tag, um 14:41 Uhr, veröffentlichte der VDMA eine Pressemitteilung gegen die neue US-Regelung — die erste laute europäische Gegenstimme. Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann: „Die Maßnahme setzt jedoch auf Abschottung statt Kooperation." Nach Darstellung des Verbands hat die US-Fernmeldebehörde ihre Zulassungsregeln zum 1. Juli 2026 geändert: Neue mobile und humanoide Systeme werden nur noch zertifiziert, wenn sie in den USA gefertigt werden und mindestens 65 Prozent lokale Wertschöpfung aufweisen. Erfasst sei „jeder mobile Roboter über zwei Kilogramm, der am Boden navigieren kann". Als betroffene europäische Unternehmen nennt die Computerwoche NEURA, Agile Robots, Wandercraft, Siemens und BMW.

Dazu passt ein dritter Fund aus derselben Woche. Werner Kraus, Forschungsbereichsleiter am Fraunhofer IPA, war mit einer Delegation in China und berichtet: „Das Thema humanoide Robotik stellt in China niemand infrage." Und wörtlich zur Rangfolge: „In Deutschland denkt man zwar oft, Unitree sei der führende Hersteller, aber nach Stückzahlen ist es Agibot." Ein deutscher Fachmann sagt also aus eigener Anschauung denselben Satz wie die Statistik aus Meldung eins. Aus einer Umfrage unter mehr als 100 deutschen Produktions- und Logistikfirmen nennt er zudem eine Zahl, die es sonst nirgends gibt: 56 Prozent würden Humanoide auf Rädern akzeptieren.

Was es heißt: Die Umkehrung der gewohnten Erzählung — ein 2019 gegründetes Start-up kauft dem Weltkonzern eine eingeführte Produktlinie ab, statt umgekehrt. Und NEURA ist doppelt betroffen: Es expandiert in Europa und wird zugleich aus dem US-Markt gedrängt. Für unsere NEURA-Akte ist die Übernahme die belastbarere Nachricht, weil sie ein Datum hat; die Milliardenziele bleiben Absichtserklärungen. Bei den 65 Prozent lohnt der zweite Blick: Diese Schwelle ist für einen europäischen Mittelständler in der Praxis nicht erreichbar, ohne die Fertigung zu verlagern. Das ist keine Handelsbarriere im üblichen Sinn — es ist eine Standortentscheidung, die von außen erzwungen wird.

ACTIVE Shuttle ab 01.10.65 % Wertschöpfung gefordertab 2 kg erfasstFraunhofer bestätigt Rangfolge
DEUTSCHLAND QUELLEN: VDMA-PRESSEMITTEILUNG, 13.08. (PRIMÄR) · TECH.EU · LOGISTIK HEUTE · AUTOMATIONSPRAXIS ZUM FRAUNHOFER-BERICHT
Fahrerloses Transportfahrzeug mit Ladungsträger in einer hellen deutschen Logistikhalle zwischen hohen Regalen — KI-Illustration 01.10.ÜBERNAHME WIRD WIRKSAM KI-ILLUSTRATION · SYMBOLBILD
08 · TECHNIK

Der Figure-Chef nennt die eigene Roboterhand seinen größten Fehler — und ein Chinese sortiert ohne Finger schneller

Es war die Woche der Hände. Erst räumt einer der lautesten Gründer der Branche einen Konstruktionsfehler ein, dann zeigt ein Start-up aus Shenzhen, dass man für dieselbe Arbeit vielleicht gar keine Hand braucht.

Am 13. August schrieb Figure-Chef Brett Adcock auf X: „Der größte konstruktive Fehler, den ich bei Figure gemacht habe, war der Bau einer sehnengetriebenen Hand." Gemeint ist die erste Handgeneration von 2022 für den Roboter F.01. Bei einer Sehnenhand sitzen die Motoren im Unterarm und ziehen über Züge an den Fingern — wie bei einer Marionette. Beim Direktantrieb sitzt der Motor im Gelenk selbst. Adcocks Argument: Der Sehnenansatz klinge verlockend, weil man Platz für die Antriebe gewinne, sei aber eine Sackgasse.

Widerspruch kam prompt von Andrea Esposito, Gründer von Foundation: Das sei kein Problem der Bauart, sondern der Ausführung — Figures alte Hand hatte nur elf Freiheitsgrade und arbeitete mit Bowdenzügen. Die Branche teilt sich sichtbar in zwei Lager: Direktantrieb bei Figure, Sharpa und Wuji, Sehnen bei Foundation, 1X und Tesla. Pikant ist das Timing: 1X-Chef Bernt Børnich hatte am 9. Juli einen Sehnenantrieb nach Millionen Lastwechseln vorgeführt und dazu geschrieben, wer daran zweifle, habe schlicht ein Können-Problem. Und 1X' gesamtes NEO-Versprechen hängt an einer Sehnenhand mit 25 Freiheitsgraden.

Die Pointe lieferte einen Tag vor Adcocks Beitrag ein Dritter. Am 12. August streamte das Shenzhener Start-up X Square Robot eine Stunde lang ungeschnitten, wie seine Anlage Pakete aus einer ungeordneten Lkw-Ladung sortiert — Barcode nach oben, aufs Band. Die selbst gesetzte Zielmarke war 1.248 Pakete pro Stunde, und diese Zahl ist mit Absicht gewählt: Sie entspricht exakt dem Dauerwert, den Figure in einem 200-Stunden-Livestream gezeigt hatte, nämlich 2,88 Sekunden pro Paket. Das Ergebnis: 1.816 Pakete pro Stunde bei über 98 Prozent Erfolgsquote — rund 45 Prozent mehr. Erreicht wurde das ohne Humanoiden und ohne Finger: eine zweiarmige, fest stehende Station mit zweckgebauten Greifern.

Was es heißt: Hier steht die unbequemste Frage der Woche. Wozu die teure, empfindliche Menschenhand, wenn zwei Klemmbacken dieselbe Arbeit schneller erledigen? Die ehrliche Antwort lautet: für alles andere. Eine Sortierstation macht eine Aufgabe an einem festen Ort — der Sinn eines Humanoiden ist, viele Aufgaben an wechselnden Orten zu übernehmen, in Räumen, die für Menschen gebaut sind. Genau das ist aber noch nicht bewiesen, und deshalb ist der Vergleich unangenehm. Zur Beleglage: X Square hat sich selbst gemessen, ohne unabhängigen Schiedsrichter und ohne genormtes Paketgut; den Vergleich mit Figure haben Medien gezogen, nicht das Unternehmen. Beide X-Beiträge haben wir heute im Original gegengelesen.

1.816 statt 1.248 Pakete/hüber 98 % Erfolgsquoteohne Finger, ohne HumanoidEigenmessung
TECHNIK QUELLEN: BRETT ADCOCK AUF X, 13.08. (PRIMÄR) · X SQUARE ROBOT, PR-MITTEILUNG · HUMANOIDS DAILY ZUR DEBATTE
Nahaufnahme einer filigranen fünffingrigen Roboterhand mit sichtbaren Zügen neben einem einfachen Zwei-Backen-Greifer aus Stahl — KI-Illustration +45 %SCHNELLER OHNE FINGER KI-ILLUSTRATION · SYMBOLBILD
09 · COUNTDOWN

136 Tage bleiben 1X für das NEO-Versprechen — und seit fünf Wochen kommt nichts

Diese Meldung besteht daraus, dass es keine gibt. Genau das ist bei einem Versprechen mit Ablaufdatum die Nachricht.

Wir haben für diese Ausgabe gezielt nach 1X gesucht und im gesamten Berichtszeitraum keine einzige Meldung gefunden. Der Newsroom des Unternehmens endet am 9. Juli mit einem Beitrag über die Hände des NEO. Die Bestellseite trägt unverändert den Stand vom 28. Oktober 2025 und formuliert weiter in der Zukunft: Auslieferung in Privathaushalte „im Jahr 2026". Auch die Zeitleiste von Firmenchef Bernt Børnich, die wir heute gegengelesen haben, enthält seit dem 16. Juli nichts Neues zum NEO.

Der Stand bleibt damit: über 10.000 Vorbestellungen, die Kapazität des ersten Jahres nach Unternehmensangabe ausverkauft — und keine öffentlich verifizierte Auslieferung an einen Kunden. Ab heute bleiben 136 Tage bis zum Jahresende, dem selbst gesetzten Termin. Das Werk in Hayward mit rund 5.400 Quadratmetern und über 200 Beschäftigten läuft nach Berichten vom April in Vollproduktion.

Einen Fund gibt es aus dieser Woche doch, und er ist die Brücke zur nächsten Meldung. Am 13. August postete Børnich ein Foto aus einer amerikanischen Sicherheitskontrolle mit dem Satz, die Kontrolleure hätten es ihm nicht leicht gemacht. In der Wanne liegt ein zerlegter NEO: der beige Strickbezug über dem Rumpf, daneben in Luftpolsterfolie gewickelte Teile. Vier Tage später wird genau das zum Problem — siehe unten.

Was es heißt: Wir betreiben hier bewusst Countdown-Journalismus, und zwar am eigenen Auftritt des Unternehmens abgelesen, nicht an Gerüchten. Wenn die erste echte Auslieferung kommt, haben wir dokumentiert, wie lange davor Funkstille herrschte. Umgekehrt gilt: Sollte der Termin fallen, ist das keine Überraschung, sondern das absehbare Ende einer langen Stille. Ausdrücklich nicht übernommen haben wir mehrere undatierte Blogs, die bereits laufende NEO-Heimauslieferungen behaupten — kein einziger nennt einen Kunden, ein Datum oder eine Primärquelle. Unsere NEO-Akte bleibt beim Stand „Vorbestellung".

136 Tage bis JahresendeNewsroom seit 09.07. stillüber 10.000 Vorbestellungen0 verifizierte Auslieferungen
COUNTDOWN QUELLEN: 1X NEWSROOM (PRIMÄR, ABRUF 17.08.) · NEO-BESTELLSEITE (PRIMÄR) · BERNT BØRNICH AUF X, 13.08.
10 · AB HEUTE

American Airlines nimmt ab heute keine Humanoiden mehr mit

Damit hat die letzte der vier großen US-Fluggesellschaften eine Regel. Verboten wird dabei nicht die Batterie, sondern die Körperform — und das ist juristisch bemerkenswert.

Seit heute führt American Airlines auf seiner Seite zu eingeschränkten Gegenständen einen eigenen Eintrag „Roboter". Wir haben ihn heute Mittag geprüft; er steht dort im Wortlaut. Als Beispiele genannt sind menschenähnliche Roboter, tierähnliche Roboter und Roboterhaustiere. Die Antwort auf die Frage, ob sie mitreisen dürfen, lautet schlicht: Nein. Wörtlich heißt es, menschen- und tierähnliche Roboter seien weder an Bord noch im aufgegebenen Gepäck erlaubt.

Interessant ist die Definition, die die Airline gleich mitliefert: Ein menschenähnlicher Roboter sei ein Roboter, der einen Menschen in Aussehen, Bewegung oder Verhalten nachahme oder ihm ähnele; für tierähnliche Roboter gilt dasselbe sinngemäß. Und der entscheidende Zusatz: Andere Roboter, einschließlich Spielzeug und kleiner elektronischer Geräte, sind weiterhin erlaubt, sofern sie die üblichen Gepäck- und Batterieregeln einhalten.

American ist damit die letzte der vier großen US-Airlines mit einer solchen Regel. Southwest hatte im Frühjahr begonnen, nachdem Fälle bekannt geworden waren, in denen Roboter eigene Sitzplätze gebucht bekamen — der bekannteste ein 1,20 Meter großes, 34 Kilogramm schweres Gerät auf einem gekauften Platz von Oakland nach San Diego. Delta zog am 18. Juni nach, United am 23. Juli.

Was es heißt: Die Begründung liegt bei den Akkus — Lithium-Ionen-Zellen dieser Größe sind im Frachtraum ein bekanntes Risiko, und San Mateo County plant aus demselben Grund Gebühren für Feuerwehrausrüstung. Geregelt wird aber nicht die Zelle, sondern die Gestalt. Ein Gerät mit identischem Akku darf mitfliegen, solange es nicht wie ein Mensch oder ein Tier aussieht. Das ist die erste Vorschrift, die uns untergekommen ist, in der die Menschenähnlichkeit selbst das Verbotsmerkmal ist — und sie ist unscharf: „ähnelt in Bewegung oder Verhalten" lässt sich am Schalter kaum entscheiden. Praktisch heißt das für alle, die einen Roboterhund oder einen kleinen Humanoiden besitzen: Der Transport in die USA läuft ab jetzt über Fracht, nicht über den Gepäckschalter. Wie ungemütlich das schon vorher war, hat der 1X-Chef vier Tage vor dem Verbot selbst dokumentiert.

gilt ab heutealle 4 großen US-AirlinesKörperform als MerkmalSpielzeug bleibt erlaubt
AB HEUTE QUELLEN: AMERICAN AIRLINES, „RESTRICTED ITEMS" (PRIMÄR, GEPRÜFT 17.08.) · VIEW FROM THE WING, 16.08.

Kurz notiert

  • Agility kündigt Digit v5 an — ohne Schutzzaun. Am 10.08., bemerkenswerterweise per Forbes-Interview statt per Pressemitteilung, stellte Agility die fünfte Generation vor. Kernversprechen: Arbeiten neben Menschen ohne Sicherheitszaun, über 20 Betriebsstunden pro Tag durch Schnellladung, genormter Werkzeugflansch. Erste Auslieferungen im Dezember 2026. Das Auftragsbuch nennt Agility mit rund 300 Millionen Dollar über etwa 1.000 Roboter — bei Schaeffler in South Carolina läuft bislang genau eine Einheit. Auftragsbuch ist nicht Auslieferung.
  • LG baut mit Nvidia einen Humanoiden. Absichtserklärung vom 13.08.: zweibeiniger Roboter auf Nvidias Foundation Model und Bordrechner, Vorstellung im ersten Quartal 2027, Aktoren und Batterien aus eigenen Konzernteilen. Konkreter als der Schaufenster-Humanoid ist der Radroboter CLOiD, der noch 2026 ins Waschmaschinenwerk in Tennessee soll.
  • BYD zeigt „Xiao Di” als Verkäufer. 1,61 Meter, 58,5 Kilogramm, 31 Freiheitsgrade, davon sieben pro Hand; Aufgabe: Kunden im Autohaus begrüßen und Modelle erklären. Zwei bis drei Geräte pro Showroom sind das Ziel. Der dritte chinesische Autobauer mit eigenem Humanoiden — aber mit dem ehrlichsten Einsatzzweck: Publikumsverkehr statt Fabrikversprechen.
  • Galaxea misst Nvidias Robotermodell bei 24 Prozent. Das Pekinger Start-up veröffentlichte am 12.08. den Bericht zu seinem offenen Modell G0.5 samt Vergleichstabelle: eigenes Modell 76,7 Prozent, Physical Intelligence 53,3, Nvidias GR00T 24,4. Wichtig: Das ist der Eigenvergleich eines Wettbewerbers, kein unabhängiger Test. Extern verankert ist nur das Abschneiden in einem offenen Wettbewerb, wo Galaxea den offiziellen Sieger schlägt.
  • UBTECH muss nachfinanzieren. Der Pionier hat für den 26.08. eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen; auf der Tagesordnung stehen eine Kreditlinie über 2,6 Milliarden Yuan und ein Aktienprogramm. Die Aktie liegt rund 41 Prozent unter ihrem Januarhoch. Der stille Kontrast zur Unitree-Euphorie — Zahlen aus automatisierten Börsendiensten, deshalb hier ohne Detailtiefe.
97 % Zahl der Woche. So groß ist der Anteil chinesischer Hersteller an allen weltweit ausgelieferten humanoiden Robotern im ersten Halbjahr 2026. Die zweite Zahl dazu: Über 85 Prozent der Nachfrage kommt ebenfalls aus China. Der Weltmarkt für Humanoide ist derzeit vor allem ein Binnenmarkt.

Geprüft und nicht verwendet

Acht Meldungen, die es nicht in diese Ausgabe geschafft habenPrüfstand 17.08.
  • „Der Roboter-Kongress IEEE Humanoids läuft gerade in Santa Clara."Er läuft nicht. Die Konferenz findet vom 6. bis 9. Dezember 2026 statt. In dieser Woche gab es in Santa Clara keinen Humanoiden-Kongress — wir hatten den Termin in unserer eigenen Vorrecherche zunächst falsch stehen und ihn vor dem Schreiben korrigiert.
  • „Ein Roboter hat den Halbmarathon-Weltrekord gebrochen."Ein Nachdruck. Das Rennen fand am 19. April statt, und die Rekordbehauptung war schon damals fragwürdig. Das Erscheinungsdatum eines Nachrichtensammlers ist kein Ereignisdatum.
  • „Figure hat 1.000 Roboter ausgeliefert."Belegt ist der Meilenstein — Brett Adcock meldete am 23. Juli den tausendsten gefertigten Figure 03. Es sind aber Erprobungseinheiten in zwei internen Flotten, keine 1.000 Kundenroboter. Das hat Adcock selbst am 14.08. im Podcast präzisiert. Wir tragen die Zahl mit dieser Einschränkung in die Akte ein.
  • „Unitrees Gründer ist 90 Jahre alt."Ein Übersetzungsfehler, der in mehreren Sprachen kursiert. Die chinesische Angabe bezeichnet den Jahrgang, nicht das Alter: geboren in den Neunzigern. Wang Xingxing ist Mitte 30.
  • „Samsung entwickelt einen eigenen Humanoiden."Geht auf einen koreanischen Bericht vom 5. August zurück, der sich auf ungenannte Quellen stützt. Keine Bestätigung des Unternehmens, kein Datum, kein Produkt.
  • „Roboter regelt den Verkehr in Wuhu."Dieselbe Maschine lief bereits im April durch die chinesische Presse, vergleichbare Einsätze in Hangzhou und Shenzhen noch früher.
  • Roboterhochzeit in Dubai und Figures Leiter-Video.Beide außerhalb des Zeitraums: die Zeremonie am 4. August, das Video am 1. August. Bei Letzterem datiert ausgerechnet die englische Wikipedia falsch.
  • „Optimus ist in Produktion."Weiterhin keine Bestätigung. Der Aktionärsbrief vom 22. Juli sagt „später in diesem Jahr", das im April genannte Fenster Juli/August ist verstrichen. Keine Meldung — aber eine Nicht-Meldung mit Nachrichtenwert, dieselbe Erzählfigur wie bei 1X.
Grundregel im Haus: Mehrfach berichtet ist nicht mehrfach belegt. Ein Nachdruck ist kein Ereignis. Und eine Herstellerangabe ist kein Zählstand.

Realität vs. Hype

REALITÄT
  • Von zwölf Teams, die am Sonntag vor echtem Feuer antraten, beendeten drei die Aufgabe — bei einer Aufgabe mit 30 Minuten Zeit
  • Der Marktführer nach Stückzahlen heißt seit dieser Woche AgiBot, nicht Unitree — und ein Fraunhofer-Bereichsleiter bestätigt das aus eigener Anschauung
  • Die schnellste Paketsortierung der Woche schaffte eine feststehende Station mit zwei einfachen Greifern, nicht ein Humanoid mit Händen
  • 1X hat über 10.000 Vorbestellungen für den NEO und bis heute keine öffentlich verifizierte Kundenauslieferung — 136 Tage vor dem eigenen Termin
HYPE
  • „Die Überzeichnung zeigt, wie stark Unitree ist": Sie zeigt, dass zehn Prozent eines Unternehmens auf 9,8 Millionen Kaufwillige trafen. Zugeteilt wurde eine von 5.526 gezeichneten Aktien
  • „Unitree ist mit 18.000 Robotern führend": In Unitrees eigener Zählweise, die radgetriebene Plattformen ausschließt — und als Produktionsstand, nicht als Auslieferung
  • „Ein Roboter läuft jetzt schneller als Usain Bolt": Behauptet in einem 30-Sekunden-Video, ohne Strecke, ohne unabhängige Messung, ohne Produktnamen
  • „San Mateo County reguliert Humanoide": Beschlossen ist ein Arbeitsauftrag an die Verwaltung. Not-Aus-Pflicht und Aufsicht vor Ort stehen in Presseberichten, nicht im Beschluss

Das ändert sich im Radar

  • Unitree Robotics (Hersteller-Akte)Korrektur: Der Satz von der Weltmarktführerschaft nach Stückzahlen ist überholt und wurde heute geändert. Neuer Stand: zweitgrößter Hersteller nach ausgelieferten Einheiten (31 Prozent im ersten Halbjahr 2026, Erhebung Smart Analytics Global), dazu die Herstellerangabe von 18.000 kumuliert produzierten Zweibeinern vom 12.08. mit ausdrücklichem Hinweis auf die eigene Zählweise. Ebenfalls aktualisiert: der Börsengang — Ausgabepreis 150,80 Yuan, Zeichnung 10. bis 12.08., Notierung erwartet, Termin amtlich offen
  • Unitree R1 + G1 — dieselbe Korrektur in der FAQ-Ebene: „mit Abstand größter Humanoiden-Hersteller” wird zur belegten Rangangabe mit Datum. Die historische Angabe zu den 2025er-Auslieferungen bleibt unverändert, sie war und ist korrekt
  • Unitree B2bewusst nicht angefasst: Die Führung bei vierbeinigen Robotern ist eine andere Produktkategorie mit eigenem Beleg und von dieser Woche nicht berührt
  • NEURA Robotics — Übernahme des ACTIVE Shuttle von Bosch Rexroth, wirksam zum 1. Oktober 2026, eingegliedert in die Neura Mobile Robots GmbH. Als Fachmedien-Beleg gekennzeichnet, da keine Original-Pressemitteilung auffindbar war
  • Figure 03 — der tausendste gefertigte Roboter als datierte Herstellerangabe vom 23. Juli, ausdrücklich als Erprobungseinheit und nicht als Kundenauslieferung
  • 1X NEO — Prüfvermerk: Newsroom-Stand 9. Juli, Bestellseite unverändert seit 28. Oktober 2025, weiterhin keine verifizierte Auslieferung. Status bleibt „Vorbestellung”
  • Agility Digit — Digit v5 mit erster Auslieferung Dezember 2026 in den Release-Radar aufgenommen, Sicherheitsstufe „angekündigt”
  • Release-Radar — zusätzlich aufgenommen: LG-Humanoid mit Vorstellung im ersten Quartal 2027, ebenfalls Stufe „angekündigt”. Nicht aufgenommen: Unitrees „Superman” — eine Vorschau ohne Produktnamen und ohne Termin ist keine Ankündigung
  • Preis-Radar — Prüfauftrag für die Di/Do-Rotation: Ein deutscher Händler listet die G1-Basisvariante inzwischen deutlich unter unserem hinterlegten Wert. Preissenkung, Nettopreis oder andere Variante ist zu klären, bevor wir die Akte ändern

Was diese Woche wichtig wird

  • Unitrees erster Handelstag. Er kann jederzeit kommen und ist weiterhin amtlich nicht angekündigt. Mit der Notierung wird das Unternehmen berichtspflichtig — ab dann lässt sich die Erzählung an geprüften Zahlen messen.
  • World Robot Conference in Peking, 19. bis 23. August. Dort zeigt unter anderem X Square Robot erstmals eine komplette Sortierlinie statt einer einzelnen Station. Der Praxistest für die Zahlen aus Meldung acht.
  • World Humanoid Robot Games, 22. bis 26. August. Das Hauptprogramm mit 2.056 Robotern — und erstmals laufen die Sprintdisziplinen ohne Fernsteuerung. Nach dem Feuerwehr-Test ist das der zweite Termin, an dem Autonomie öffentlich gemessen wird statt behauptet.
  • Die Satzung aus San Mateo County. Der Entwurf muss zurück ins Board, mit Anhörungen. Erst dann steht fest, ob die Aufsichtspflicht vor Ort wirklich kommt — und damit, ob das Teleoperations-Geschäftsmodell in Kalifornien Bestand hat.
  • Der 26. August bei UBTECH. Die außerordentliche Hauptversammlung entscheidet über Kreditlinie und Aktienprogramm. Für den Aktien-Cluster im Herbst der nächste Datenpunkt neben Unitree und dem Agility-SPAC.

Quellen

Alle technischen Werte, Stückzahlen und Produktionsangaben sind Hersteller- bzw. Branchenangaben, soweit nicht anders gekennzeichnet. Währungsangaben in Yuan sind Originalwerte; Umrechnungen sind als solche gekennzeichnet. Bewertungen nach unserer Radar-Methodik.