- München-Startup (gegründet 2017) — entstanden aus dem BMBF-geförderten Forschungsprojekt VIVA (10/2018–12/2021), das Navel Robotics als Konsortialführer von sechs Partnern koordinierte
- Kein Haushaltsroboter: kompakter Companion, Fokus auf Dialog und soziale Interaktion
- Haupteinsatz: Senioren-Pflege — rund 100 Einheiten ausgeliefert (Herstellerangabe), die 100. Anfang März 2026; im Juli 2026 hat sich die städtische Münchenstift für das Leasing eines Geräts entschieden (Bestellung und Einsatzort noch offen)
- Deutsche Sprache, DSGVO-ausgerichtet (europäische Server); MHH-Begleitstudie über sechs Monate ab 2024, daneben nennt heise Pilotprojekte u. a. mit der TU München und der Ev. Heimstiftung
- Preis und B2B-Kauf auf Anfrage — kein Consumer-Produkt
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Hersteller
- Navel Robotics GmbH (München)
- Gründung
- 2017 (München)
- Größe
- ca. 72 cm (evangelisch.de 07/2023; heise 03/2024 schreibt abweichend von einem ‚ungefähr ein Meter hohen Roboter‘ — plausibel inklusive Aufstellfläche, der Widerspruch bleibt offen)
- Gewicht
- ca. 8 kg
- Mobilität
- im Feld getragen und positioniert; eine Rad-Plattform nennt die Hersteller-Roadmap für die 2. Prototypen-Generation (Juli 2021) — ob die ausgelieferte Kleinserie sie hat, ist nicht belegt. Der Hersteller gibt seit Okt. 2025 an, Navel könne auf Menschen zufahren, wenn sie ihn darum bitten
- Interaktion
- Kopf-Nicken, Augen-Bewegungen, Gesichts-Expressionen
- Sprache
- Deutsch, Englisch (weitere auf Anfrage)
- KI-Stack
- Hybrid: Daten grundsätzlich lokal auf dem Gerät, Teile der KI-Verarbeitung auf dem Roboter, ergänzend auf europäischen Servern (Herstellerangabe via heise 03/2026); Dialog-LLM GPT-basiert (2024: GPT 3.5). Welche Anbieter die Sprachdienste stellen, nennt keine der geprüften Quellen
- Ziel-Umgebung
- Pflegeheim, Seniorenzentrum, Pädagogik, Forschung
- Preis
- B2B auf Anfrage
- Wissenschaftliche Begleitung
- MHH, Arbeitsgruppe Psychokardiologie und Psychotherapie (sechsmonatige Begleitstudie zum mentalen Wohlbefinden, ab 2024) · IPA der Ev. Heimstiftung (Vorstudie, Abschlussbericht 2024) · TU München — von heise 03/2026 in einer Aufzählung von Pilotprojekt-Partnern genannt, ohne Thema, Lehrstuhl oder Ergebnis
Navel — ein deutscher Companion mit echtem Pflege-Einsatz
Navel ist keine Figure, keine Optimus, kein 1X NEO. Das ist kein Versuch, einen autonomen Haushaltshelfer zu bauen. Navel ist ein kompakter Social-Roboter mit einem expressiven Gesicht, gemacht für soziale Interaktion in Pflege- und Betreuungs-Settings.
Gerade deshalb ist Navel in dieser Liste wichtig: Es ist einer der wenigen in Deutschland entwickelten humanoiden Roboter, der seit Ende 2023 produktiv eingesetzt wird — nicht als Demo, sondern als Betreuungs-Werkzeug mit wissenschaftlicher Begleitung.
Was Navel besonders macht
- Expressive Augen und Mimik — designt von Animations-Spezialisten, basierend auf Disney-Pixar-ähnlichen Emotionen
- Privacy by Design — nach Angaben des Unternehmens werden Daten grundsätzlich lokal auf dem Gerät gespeichert, Teile der KI-Verarbeitung laufen direkt auf dem Roboter, ergänzend auf europäischen Servern; das Dialog-LLM ist GPT-basiert. Welche Anbieter die übrigen Dienste stellen, nennt keine der geprüften Quellen
- Betreuungs-Szenarien vorbereitet — strukturierte Gesprächs- und Aktivierungs-Module statt reiner Smalltalk-KI
- Wissenschaftliche Begleitung — die Medizinische Hochschule Hannover begleitete den Einsatz sechs Monate lang mit Schwerpunkt auf dem mentalen Wohlbefinden der Bewohner; das IPA der Evangelischen Heimstiftung untersuchte Akzeptanz und Atmosphäre auf den Wohnbereichen. heise nennt daneben Pilotprojekte mit der TU München — ohne Thema, Lehrstuhl oder Ergebnis
Die Pflege-Nische
Der Haupt-Einsatz von Navel ist die Senioren-Betreuung und Demenz-Begleitung. Das Prinzip: Viele Bewohner öffnen sich dem freundlichen, emotional „lesbaren” Roboter leichter als erwartet — Navel hält Blickkontakt, erkennt Emotionen und führt geduldige Gespräche, ohne zu überfordern.
In Einrichtungen wie denen der Evangelischen Heimstiftung, der Johanniter oder der Keppler-Stiftung übernimmt Navel:
- Aktivierungs-Gespräche und Erinnerungsübungen
- Emotions-Interaktion (Navel zeigt Freude, Trauer, Überraschung)
- Gesellschaft in Wartesituationen und im Gemeinschaftsraum
- Entlastung des Pflegepersonals — das ist das erklärte Projektziel, aber noch kein Ergebnis: Die Begleitstudie des IPA der Evangelischen Heimstiftung kam Anfang 2025 zu dem Schluss, dass Mitarbeitende bislang eher mehr Zeit brauchen, als dass sie entlastet würden
Die Keppler-Stiftung führt seit April 2024 ein eigenes Navel-Projekt mit zwei Geräten in zwei Einrichtungen, angelegt auf jeweils 24 Monate.
Die MHH-Begleitstudie (Johanniter-Stift Hannover-Ricklingen, „Ricky”) begleitete den Einsatz über sechs Monate ab 2024, Schwerpunkt war das mentale Wohlbefinden der Bewohner. Veröffentlichte Endergebnisse liegen uns nicht vor; heise fasst den Stand 2026 nur allgemein zusammen, Studien und Praxiserfahrungen aus Pilotprojekten legten nahe, dass Sozialroboter kognitive und emotionale Aktivierung fördern können. Genau dieser Mehrwert ist es, den klassische Beschäftigungs-Apps nicht liefern.
Warum Navel in diese Liste gehört
In unserer Humanoid-Liste (Tesla, Figure, 1X, Unitree, NEURA) wirkt Navel auf den ersten Blick fehlplatziert — es ist kein 170-cm-Humanoid für Fabrik oder Haushalt. Aber: Navel ist produktiv. Während Tesla Optimus primär Trainingsdaten sammelt und 1X NEO seine ersten Einheiten vorbereitet, arbeitet Navel bereits in deutschen Pflegeheimen.
Für deutsche Einkäufer mit Betreuungs-Use-Case (Senioreneinrichtungen, Sozialpädagogik, Forschung) ist Navel die realistischste Option 2026.
Unser Urteil
Navel ist das stille deutsche Humanoid-Produkt, das nie die Schlagzeilen von Tesla bekommen wird, aber real Nutzen in der Pflege schafft. Nicht für Haushalt, nicht für Industrie — aber für soziale Interaktion in der Betreuung der deutsche Standard.
Quellen
- Navel Robotics Corporate Site (Gründung 2017, Produktdaten) · Forschungsprojekt VIVA (Projektseite, abgerufen 30.07.2026 — dort die Konsortialpartner: navel robotics als Koordinator, Universität Bielefeld/CITEC, Universität Augsburg, FH Bielefeld, Neuland Software, Visions4IT; die TU München ist weder als Partner noch als Beraterin genannt, der Münchner Berater kam von der LMU)
- MHH, Arbeitsgruppe Psychokardiologie und Psychotherapie — sechsmonatige Begleitstudie zum mentalen Wohlbefinden ab 2024 (Johanniter-Stift Hannover-Ricklingen), belegt im heise-Bericht vom 16.03.2024
- heise online: 100 Navel im Einsatz (01.03.2026) · Sozialroboter Ricky (16.03.2024)
- altenheim.net: EHS/IPA-Studie — „Navel hat Potenzial, muss aber technisch besser werden” (23.01.2025)
- t-online München: Münchenstift entscheidet sich für ein Leasingmodell, 40.000 € Gesamtkosten (13.07.2026 — Bestellung und Einsatzort standen zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest)
- Evangelische Heimstiftung / Johanniter — Praxis-Einsätze seit Ende 2023
- Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung: Navel — Der soziale Roboter (Projektseite des Betreibers, abgerufen 30.07.2026) · Einführung des Sozialroboters „Noah” — dort auch die Maßangaben „acht Kilogramm schweren und 72 cm hohen Roboter” aus Kundensicht bestätigt
- heise online: 100. Navel ausgeliefert (März 2026) · Abendzeitung München: „Für 40.000 Euro: München Stift investiert in technische Neuheit” (14.07.2026, hinter Bezahlschranke — nur Anriss geprüft)
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