// DUELL-ANALYSE: UNITREE G1 vs. UNITREE R1 6 ACHSEN · AUSBAU 21.08.2026

Das Duell in Zahlen

Über die sechs Radar-Achsen gewinnt Unitree G1 1 Achse (Reifegrad), Unitree R1 führt bei 2 (Mobilität, Autonomie), 2 enden unentschieden. In der Gesamtwertung steht es 3,3 zu 3,4. Nicht in der Bilanz: Preis-Leistung — „n. b." mangels realem Marktpreis (Zielpreise bewerten wir nicht).

  • Reifegrad — Punkt für Unitree G1 (3 vs. 2): Fraunhofer IPA hat ein ausgeliefertes Gerät ausführlich getestet — echte externe Prüfung. Sicherheitslücken bei Bluetooth und Updates bremsen die Reife.
  • Mobilität — Punkt für Unitree R1 (6 vs. 5): Radschlag, Handstand, Downhill-Sprint — allerdings nur im geschnittenen Werbevideo, ferngesteuert. Draußen ist er wegen des schwachen Spritzschutzes tabu.
  • Autonomie — Punkt für Unitree R1 (1 vs. 0): Gesteuert wird per App, Sprache und Bilderkennung lösen einfache Reaktionen aus. Eigenständig Aufgaben erledigen kann er nicht.

Gleicher Hersteller, fünffacher Listenpreis — was kauft man da eigentlich?

Dieses Duell ist das einzige im Radar, in dem beide Humanoiden heute wirklich kaufbar sind — beide stehen auf Verfügbarkeit 7 von 10, beide kommen von Unitree. Danach trennen sich die Welten: Der G1 steht für 27.250 € beim deutschen Distributor ab Lager (Lieferzeit ein bis zwei Werktage, mit Gewährleistung). Der R1 kostet in Unitrees Liste 4.900 USD — einen etablierten deutschen Händlerpreis gibt es für ihn noch nicht, wer ihn will, importiert selbst.

Rechnet man ehrlich — 19 % Einfuhrumsatzsteuer, 2,7 % Zoll, Versand — landet der R1 nach der Import-Faustregel des Hauses bei rund 6.125 bis 6.615 € in Deutschland. Der reale Abstand ist hierzulande also kein Faktor 5, sondern etwa Faktor 4,3 — und bleibt damit die größte Preisspanne, die es zwischen zwei kaufbaren Humanoiden desselben Herstellers gibt.

// PREISBRÜCKE DEUTSCHLANDLISTE → IMPORT → HÄNDLER · KURS-STAND 2026-07-30
Unitree G1
US-Liste13.500 USD ≈ 11.764 €
Direktimport≈ 16.875–18.225 €
DE-Händler ab Lager27.250 €
Unitree R1
US-Liste4.900 USD ≈ 4.270 €
Direktimport≈ 6.125–6.615 €
DE-Händlerkein etablierter Preis

Faustregel: US-Listenpreis × 1,25–1,35 ≈ realistischer DE-Endpreis (EUSt, Zoll, Versand/Marge). Auf den Euro genau — inklusive Zollsatz-Details — rechnet der Import-Rechner mit vorausgefülltem R1. Der Händler-Aufschlag beim G1 (Faktor 2,3 gegenüber der umgerechneten US-Liste) kauft Lagerware, Gewährleistung und einen Ansprechpartner in Deutschland.

Welcher G1, welcher R1? Die Staffeln hinter den Listenpreisen

Unitree Robotics staffelt beide Modelle hart — der beworbene Einstiegspreis gehört jeweils zur kleinsten Ausbaustufe:

  • R1 Air (4.900 USD): 20 Freiheitsgrade (Degrees of Freedom, kurz DoF), Monokular-Kamera, 27 kg — das ist die Schlagzeilen-Variante.
  • R1 Standard (5.900 USD): 26 DoF (plus Taille und Kopf-Gelenke), Stereo-Kamera, 29 kg.
  • R1 EDU (offiziell auf Anfrage, in DE ab rund 15.700 €): 26–40 DoF und NVIDIA Jetson Orin mit 40–100 TOPS — erst hier gibt es SDK und ROS2, ab der Stufe U3 optional auch Dex-Greifhände (Unitree: „Dexterous Hands"). Allen drei Staffeln gemeinsam: 4-Mic-Array für die Sprachsteuerung, WiFi 6, Bluetooth 5.2.
  • G1 Base (13.500 USD US-Liste): 23 DoF — und schon serienmäßig mit der Sensorik, die dem R1 komplett fehlt: Unitrees Spezifikationstabelle führt „Depth Camera+3D LiDAR" für Base und EDU, konkret eine Intel-RealSense-Tiefenkamera plus 3D-LiDAR.
  • G1 EDU (in DACH ab 37.360 €): bis 43 DoF, Jetson Orin NX mit 100 TOPS und dieselbe Depth-Camera-plus-LiDAR-Sensorik; dazu optionale Dex3-1-Greifhände (Unitree vermarktet sie als „Dexterous Hand").

International verkauft Unitree beide Serien unter dem Etikett „humanoid robot" — die G1-Produktseite heißt wörtlich „Humanoid robot G1". Den R1 bewirbt der Hersteller als „ultra-lightweight", und die Kameras firmieren im Original-Datenblatt als „monocular camera" (Air) beziehungsweise „binocular camera" (Standard und EDU).

Zwei Fußangeln stecken in diesen Staffeln. Erstens: In Unitrees eigener Vergleichstabelle trägt die Zeile „Secondary Development" nur bei den EDU-Varianten ein „YES" — beim R1 Air, R1 Standard und beim Basis-G1 steht dort keine Freigabe. Zweitens erklärt die Staffelei die leere Händler-Zeile in der Preisbrücke: Deutsche Shops listen als Base-Modell einen R1 mit 24 DoF und Stereo-Kamera — eine Konfiguration, die sich mit keiner offiziellen Unitree-Variante deckt (offiziell sind es 20–26 DoF im Grundausbau, mit Mono- oder Stereo-Kamera). Eine Händler-Modellübersicht schreibt zur Base sogar selbst: „no secondary development. NOT PROGRAMMABLE!" Ein Preis, dessen Produkt nicht identifizierbar ist, taugt nicht als Referenz.

Specs im Vergleich

Unitree G1Unitree R1
Radar-Gesamtwertung3,3 / 103,4 / 10
Preisab 27.250 €ab 4.900 USD
Statuskaufbarkaufbar
DACH-Verfügbarkeitverfügbarverfügbar
Größe132 cm123 cm
Gewicht35 kg27 kg (Air) · 29 kg (Standard/EDU)
KI-StackUnitree SDK + optional GR00T N2 (mit Jetson Thor)Sprach-/Bild-KI onboard (4-Mic-Array) · SDK & ROS2 nur EDU (Jetson Orin 40–100 TOPS)
Einsatz-FokusEntwicklung, Forschung, STEM-Bildung, Content-CreationShow & Events, Content, STEM-Vorführungen — echte Entwicklung nur mit EDU-Varianten

Die unbequeme Achsen-Bilanz — und warum sie nur die halbe Wahrheit ist

Wer nur die Balken zählt, erlebt eine Überraschung: Der kleine R1 gewinnt zwei Achsen (Mobilität, Autonomie), der fünfmal teurere G1 nur eine (Reifegrad) — zwei enden unentschieden. Doch genau hier lohnt der Blick auf die Beleglage, die unsere Methodik an jede Wertung heftet:

  • Die R1-Mobilität (6) steht auf Herstellervideos. Radschlag, Handstand, Downhill-Sprint — die Fachpresse beschreibt sie aus Unitrees geschnittenem, per Teleoperation (Fernsteuerung) gefahrenem Launch-Material; die Wertung trägt deshalb den Evidenzgrad C und ist bereits gedeckelt. Die G1-Mobilität (5) ist dagegen im Feld belegt: Treppen, Türschwellen und Außeneinsatz stammen aus einem unabhängigen Händler-Review eines kaufbaren Geräts. Belegt schlägt behauptet.
  • Autonomie gewinnt der R1 mit 1 zu 0 — ein Sieg der Kategorie „wer stolpert weniger tief". Ab Werk bietet der R1 App-Steuerung plus reaktive Sprach- und Bild-Loops, der G1 nicht einmal das: Seine belegte Aufgaben-Autonomie out of the box ist null — echte Autonomie ist bei beiden ein Eigenbau-Projekt auf der EDU-Plattform.
  • Reifegrad ist der eigentliche G1-Punkt (3 vs. 2): Der G1 ist die etablierte Entwickler-Plattform mit großem SDK-Ökosystem und dokumentiertem Feldbetrieb. Beim R1 haben wir den Reifegrad im Juli von 5 auf 2 korrigiert — für „zahlende Kunden im Regelbetrieb" fehlt schlicht der Beleg, so unbequem das bei einem angeblichen Volumen-Modell ist.

Und dann ist da die Gemeinsamkeit, die Unitree in keinem Launch-Video erwähnt: Bei beiden ist der beworbene Basispreis nicht der Entwickler-Preis. Der R1 lässt sich erst mit den EDU-Varianten programmieren (SDK und ROS2 gibt es nur dort, auf Jetson-Orin-Rechenmodulen mit 40–100 TOPS — der Aufpreis ist vierstellig). Der G1 hat ab Werk gar keine Greifhände: Adaptives Greifen liefert erst die optionale Dex3-1-Hand der EDU-Staffel, bei Händlern für rund 4.000 € — pro Hand. Wer ernsthaft entwickeln will, sollte also nicht 4.900 USD gegen 27.250 € rechnen, sondern EDU-Ausbaustufe gegen EDU-Ausbaustufe.

Der zweite Praxis-Unterschied ist profaner: Ausdauer. Der G1 hält mit seinem 9.000-mAh-Akku rund zwei Stunden aktive Nutzung durch, der R1 etwa eine Stunde — wer Messetage oder Drehs plant, plant bei beiden Ladepausen ein, beim R1 doppelt so viele.

Und wem beide zu klein sind: Über G1 und R1 rangiert im Portfolio noch der Unitree H2 — Full-Size-Statur, rund 70 kg, 29.900 USD US-Liste, bei deutschen B2B-Distributoren um 49.800 € gelistet. Die Spielregel bleibt dieselbe: Auch beim Unitree H2 gibt der Hersteller die Eigenentwicklung erst mit der teureren EDU-Version frei — das Duell der beiden Kleinen ist damit zugleich eine Kaufschule für die ganze Familie bis hinauf zum Unitree H2.

Die Fazits aus dem Radar

Unitree G1: Der Preisbrecher zum Anfassen: sofort kaufbar und im DACH-Handel angekommen — belegt ist aber deutlich weniger, als die Show-Videos vermuten lassen. Wer entwickeln will, braucht die EDU-Variante.

Unitree R1: Der Volumen-König: billigste Eintrittskarte in die Humanoiden-Welt und erstaunlich agil — aber programmieren darf nur, wer die EDU-Staffel bezahlt.

Kurz gesagt: Nimm Unitree G1, wenn dir Reifegrad wichtig ist — und Unitree R1, wenn Mobilität, Autonomie den Ausschlag geben. Unsicher? Der Robot-o-Mat gewichtet die Achsen nach deinen Antworten.

Wer nimmt was? Die ehrliche Kaufberatung

  • Nimm den R1, wenn du die günstigste echte Eintrittskarte in die Humanoiden-Welt willst — für Show, Content, Messen und MINT-Vorführungen ist er mit 27 Kilo (als R1 Air) auch das handlichere Gerät. Rechne dafür mit dem Importweg (6.125–6.615 € statt der Schlagzeilen-4.900 USD) und ohne deutschen Ansprechpartner; die Rechnung auf den Euro genau macht der Import-Rechner.
  • Nimm den G1, wenn du heute bestellen und übermorgen auspacken willst — ab Lager beim deutschen Distributor, mit Gewährleistung und Rückgaberecht. Für Hochschulen, Labore und Firmen ist er die risikoärmere Wahl, und als Entwicklungsplattform ist das G1-EDU-Ökosystem (SDK, ROS2, große Community) schlicht etablierter als das des Neulings.
  • Warte, wenn du „einen Roboter für den Haushalt" suchst: Das kann keiner von beiden — beide sind humanoide Plattformen für Entwicklung und Vorführung, nicht für Wäsche und Küche. Was Humanoide heute wirklich im Alltag leisten, sortiert der Kaufratgeber; welcher Roboter zu deinem Einsatz passt, der Robot-o-Mat.