Interview· Navel Robotics · München

Warum Navel so
große Augen hat

Er erzählt Geschichten, erinnert sich an frühere Gespräche und bleibt auch dann geduldig, wenn sein Gegenüber schimpft. Gründer Claude Toussaint erklärt, was der soziale Roboter heute in Pflegeheimen macht — und warum er als Nächstes lernen soll, allein auf Bewohner zuzugehen.

Nahaufnahme der beiden großen, blau leuchtenden OLED-Augen des Roboters Navel. Sakkaden — die Augen springen, wie menschliche Augen springen KI-Illustration
130Roboter ausgeliefert
100davon in Pflege­einrichtungen
31.000Euro pro Gerät
N5fünfte Generation
15Menschen im Team
8Geräte pro Monat
Claude Toussaint, Gründer von Navel Robotics.
Im Gespräch

Claude Toussaint

Gründer von Navel Robotics, München

Fünfzehn Menschen, fünf Generationen Roboter, 130 ausgelieferte Geräte — 100 davon in Pflegeeinrichtungen. Über die Probleme der ersten Serie spricht er so offen wie über die Herausforderungen, die noch vor ihm liegen.

Foto: Navel Robotics

Was habt ihr früher an heißen Sommertagen gemacht?
So könnte ein Gespräch mit Navel beginnen

Vielleicht erzählt jemand vom Freibad, ein anderer erinnert sich an Ferien auf dem Land. Danach fragt der Roboter nach einem erfrischenden Getränk oder schlägt ein einfaches Rezept vor.

Solche Gespräche wirken alltäglich. In vielen Pflegeheimen fehlt jedoch gerade dafür die Zeit. Navel erzählt Geschichten und Witze, fragt nach Erinnerungen und greift frühere Themen wieder auf. In Pflegeeinrichtungen sitzt er dabei einzelnen Bewohnern oder kleinen Gruppen gegenüber.

Zunächst werde Navel vor allem zur Aktivierung eingesetzt, sagt Claude Toussaint, Gründer des Münchner Start-ups Navel Robotics. Der Roboter übernimmt keine Pflegeaufgaben. Er soll zusätzliche Zeit für Gespräche und soziale Kontakte schaffen.

Kapitel 01

Ein Gespräch, das nicht die Geduld verliert

Toussaint nennt ein Beispiel, das zunächst ungewöhnlich klingt. Menschen mit Demenz können mitunter minutenlang schimpfen und sich nur schwer beruhigen lassen. Für Angehörige und Beschäftigte ist es nicht leicht, dabei ruhig zu bleiben.

Navel im Vordergrund, dahinter eine lachende ältere Frau auf einem Sofa.
Pressebild: Navel Robotics
Das kratzt Navel gar nicht.

Porträt von Claude Toussaint, Gründer von Navel Robotics. Claude Toussaint · Gründer, Navel Robotics

Der Roboter höre weiter zu, bleibe freundlich und reagiere auf sein Gegenüber. Aus inzwischen zwei Pflegeheimen habe das Unternehmen erfahren, dass Navel auch in solchen Situationen eingesetzt werde. Die Menschen könnten sich dadurch wieder beruhigen, danach übernehme das Personal.

Darin sieht Toussaint die eigentliche Stärke seines Roboters: Er wird nicht ungeduldig, nimmt Beschimpfungen nicht persönlich und kann seine Aufmerksamkeit lange auf dieselbe Person richten. Was einen Menschen in so einer Situation erschöpft, kostet ihn nichts.

Toussaint versteht Navel deshalb nicht als Ersatz für menschliche Zuwendung. Der Roboter soll zusätzliche Begegnungen ermöglichen, bis wieder ein Mensch Zeit hat. Dafür muss er Menschen zuverlässig erkennen und künftig selbstständig zu ihnen gelangen.

Kapitel 02

Warum reicht dafür kein Tablet?

Ein Sprachmodell kann auch auf einem Bildschirm Fragen stellen und Geschichten erzählen. Ein Tablet wäre kleiner, günstiger und in vielen Einrichtungen bereits vorhanden. Warum braucht die Software also einen Kopf, Schultern, Mimik und auffällig große Augen?

Navel steht als Gegenüber im Raum und schaut direkt in die Kamera.

Ein Gegenüber im Raum

„Dieses Embodiment ist total wichtig“, sagt Toussaint. Gemeint ist, dass die KI einen Körper bekommt und als Gegenüber im Raum steht. Er vergleicht den Unterschied mit einem Videocall und einem persönlichen Treffen.

  • Gewinnt Aufmerksamkeit, ohne dass jemand etwas bedienen muss
  • Soll künftig selbst auf Menschen zugehen
  • Blickkontakt, Kopfbewegung, wechselnde Mimik

Bei einer klaren Servicefrage könne ein Bildschirm ausreichen. Wer wissen möchte, was es zu essen gibt oder wann ein Termin beginnt, ruft eine Information ab. In Navels Fall sei die Ausgangslage anders. Viele Bewohner öffnen nicht von sich aus eine App und starten kein Gespräch mit einem Chatbot. Der Roboter soll ihre Aufmerksamkeit gewinnen und künftig selbst auf sie zugehen.

Kapitel 03

Was hinter dem Blick steckt

Dabei spielen die Augen eine wichtige Rolle. Hinter Navels Mund und Augen sitzen drei OLED-Displays. Eine optische Schicht vor den Displays lässt die Augen räumlich erscheinen, erklärt Toussaint.

Navel im Studio vor weißem Hintergrund, mit dunkelblauer Strickmütze und großen blauen Augen. Kamera im KopfSitzt in der Stirn unter der Mütze und liefert die Gesichtserkennung. OLED hinter GlasDrei Displays für Augen und Mund. Eine optische Schicht davor lässt die Augen räumlich wirken — keine flachen Bilder. SakkadenDie Augen blinzeln und bewegen sich in kleinen Sprüngen — wie menschliche Augen. Das dritte DisplayAuch der Mund ist ein Bildschirm. Er trägt die wechselnde Mimik und bewegt sich synchron zur Sprache.
  1. Kamera im KopfSitzt in der Stirn unter der Mütze und liefert die Gesichtserkennung.
  2. OLED hinter GlasDrei Displays für Augen und Mund. Eine optische Schicht davor lässt die Augen räumlich wirken — keine flachen Bilder.
  3. SakkadenDie Augen blinzeln und bewegen sich in kleinen Sprüngen — wie menschliche Augen.
  4. Das dritte DisplayAuch der Mund ist ein Bildschirm. Er trägt die wechselnde Mimik und bewegt sich synchron zur Sprache.
Pressebild: Navel Robotics

Sie blinzeln, bewegen sich in kleinen Sprüngen und richten sich auf das Gegenüber. Solche schnellen Augenbewegungen heißen Sakkaden und gehören auch zum menschlichen Blick. Zusammen mit Kopfbewegungen und wechselnder Mimik soll so der Eindruck entstehen, wirklich angesehen zu werden.

Navel in Großaufnahme; sein Gesichtsausdruck wechselt durch 28 verschiedene Mimiken.

01/ 28

Kontaktbogen mit allen 28 Gesichtsausdrücken von Navel: aufmerksam, blinzelnd, zwinkernd, lächelnd, staunend.

Aufmerksam, verschmitzt, staunend: Navels Gesichtsausdrücke entstehen auf den drei Displays — der Mund bewegt sich dabei synchron zur Sprache. Abfolge aus 28 Einzelaufnahmen montiert; ein Klick auf den Kontaktbogen wählt einen Ausdruck aus. Pressebilder: Navel Robotics

Das Besondere bei diesen großen Augen ist nicht nur, dass sie groß sind, sondern dass sie einen wirklich anschauen.

Porträt von Claude Toussaint. Claude Toussaint · Gründer, Navel Robotics

Die Gestaltung soll Navel lebendig wirken lassen, ohne ihn als Menschen auszugeben. Bewohner nähmen ihn nach bisherigen Untersuchungen als künstliches Wesen wahr, erklärt der Gründer. Wie sich dieser Blickkontakt anfühlt, lässt sich in einem Videocall nur schwer beurteilen — Toussaint sagt selbst, man müsse die Augen in echt gesehen haben. Wir probieren es demnächst auf einer Pflegemesse aus und zeigen es im Video.

Kapitel 04

Wie Navel sich an frühere Gespräche erinnert

Für seine Antworten bindet Navel ein GPT-Sprachmodell direkt per Schnittstelle ein. Bereitgestellt wird es über Microsoft Azure auf europäischen Servern. Navel Robotics gibt dem Rohmodell eigene System-Prompts mit: Anweisungen, die festlegen, wie der Roboter sprechen und auf verschiedene Situationen reagieren soll.

Diese Vorgaben werden an das jeweilige Gespräch angepasst. Navel kann frühere Unterhaltungen eines Nutzers speichern und Informationen heraussuchen, die gerade passen. Hat eine Bewohnerin einmal von ihrer Lieblingsmusik, ihrem Beruf oder einer Reise erzählt, kann der Roboter bei einer späteren Begegnung daran anknüpfen.

Eine ältere Frau hält Navel ein altes Familienfoto hin, der Roboter ist ihr zugewandt.
KI-Illustration Erzählt jemand von seiner Familie, kann Navel bei einer späteren Begegnung daran anknüpfen. Die Szene ist nachgestellt, kein dokumentierter Einsatz.
Jemand sprichtMikrofone im Kopf
Gesicht erkanntoder Navel fragt nach dem Namen
Erinnerung geholtgetrennt je Nutzer gespeichert
System-PromptHaltung, Tonfall, Regeln
AntwortGPT-Modell über Azure, EU-Server

Schematisch, nach Angaben von Navel Robotics.

Für die Zuordnung nutzt Navel eine Gesichtserkennung. Erkennt er eine Person nicht sicher, kann er nach ihrem Namen fragen. Die Erinnerungen der verschiedenen Nutzer seien voneinander getrennt gespeichert, erklärt Toussaint. Auf seiner Produktseite schreibt das Unternehmen außerdem, Gesprächsdaten würden nur auf dem Roboter gespeichert und Bilddaten direkt auf dem Gerät ausgewertet. Navel Robotics nennt diesen Ansatz „Privacy by Design“: Datenschutz wird von Anfang an in die Technik eingebaut statt nachträglich ergänzt. Für die Pflegeeinrichtungen sei das Thema sehr kritisch, betont Toussaint.

Die Personenerkennung ist noch nicht dort, wo sie für einen selbstständigen Betrieb sein müsste. „Im Moment ist sie nicht sehr zuverlässig“, sagt Toussaint offen.

Heute„nicht sehr zuverlässig“ — kein gemessener Wert Ziel: rund 98 %angestrebte Quote, hundert Prozent nennt Toussaint als unerreichbar

Solange eine Betreuungskraft dabei ist, kann sie eine falsche Zuordnung korrigieren. Mit wachsender Autonomie wird das schwieriger. Bei einer falschen Zuordnung könnte Navel einer Person Erinnerungen aus einem fremden Gespräch zuschreiben. Für den autonomen Einsatz muss die Erkennung deshalb verlässlicher werden. Weil die Gespräche sehr persönlich sein können, braucht es außerdem klare Regeln für Einwilligung, Zugriff und Löschung.

Kapitel 05

So sieht Navels Alltag heute aus

Wie häufig der Roboter eingesetzt wird, unterscheidet sich laut Toussaint von Einrichtung zu Einrichtung. Manche Häuser planen ihn fest in ihre Wochenprogramme ein. Dann begleitet Navel Einzelgespräche, kleine Gruppen oder Aktivierungsangebote. Andere nutzen ihn punktueller.

Mehrere Stunden täglich arbeitet er derzeit nicht. Meist kommt Navel einige Male pro Woche für begrenzte Zeit zum Einsatz. Eine Betreuungskraft bringt ihn zur gewünschten Person oder Gruppe, startet das Angebot und hilft bei Bedarf.

Eine lachende Bewohnerin im Rollstuhl neben einem Mann, der einen Navel-Roboterkörper mit blauer Mütze hält.
Einsatz in einer Einrichtung der Evangelischen Heimstiftung. Pressebild: Evangelische Heimstiftung

Ähnliche Erfahrungen schildert die Evangelische Heimstiftung. Sie setzte zwei Navel-Roboter seit Ende 2023 mehrmals pro Woche in Einzel- und Gruppengesprächen ein. Die Begleitstudie des eigenen Instituts beschreibt positive Reaktionen bei Bewohnern und zugleich klare Wünsche an die Technik: mehr Mobilität, kürzere Reaktionszeiten sowie eine bessere Sprach- und Gesichtserkennung. Die Heimstiftung führte das Projekt fort und bestellte zwei weitere Geräte.

Eine Betreuungskraft, rund 20 Menschen

Nach Toussaints Schätzung ist eine Betreuungskraft für ungefähr 20 Menschen verantwortlich. Während sie sich mit einer Person oder Gruppe beschäftigt, warten die anderen. Sein Ziel ist deshalb, dass der Roboter künftig parallel zu ihr Gespräche anbietet.

Er muss es eigentlich parallel tun. Dann kommt seine Kapazität richtig zum Tragen. Das ist der Mehrwert.

Claude Toussaint · Gründer, Navel Robotics

Kapitel 06

Der nächste Schritt: selbstständig durch den Raum

Navel steht allein in einem hellen, sonnendurchfluteten Flur eines Pflegeheims.
Ende September soll er losfahren

Erst ein Raum. Dann der Flur. Und irgendwann eine Karte, die weiß, was wo ist.

KI-Illustration Der autonome Betrieb ist angekündigt, nicht ausgeliefert — das Bild zeigt das Ziel, keinen dokumentierten Einsatz.
Ende September 2026

Ein Raum

Navel orientiert sich in einem überschaubaren Bereich, sucht nach Menschen, fährt auf eine Person zu, erkennt sie möglichst am Gesicht und spricht sie mit Namen an. Nach fünf oder zehn Minuten geht es weiter zur nächsten.

Frühjahr 2027 · wahrscheinlich

Der ganze Flur

Als nächste Stufe soll Navel eine Karte für einen ganzen Flur anlegen können. Für den ersten Schritt ist das noch nicht vorgesehen — dort geht es nur um den lokalen Einsatz in einem Raum.

Ohne Termin

Eine Karte, die versteht

Erst in einem weiteren Schritt ist eine semantische Karte vorgesehen. Dann soll der Roboter nicht nur wissen, wo er fahren kann, sondern auch, was sich wo befindet: Speiseraum, Aufenthaltsbereich, das Zimmer eines bestimmten Bewohners.

Damit würde sich seine Rolle verändern. Heute ist Navel ein Werkzeug, das eine Betreuungskraft gezielt in ein Angebot einbindet. Künftig soll er selbst Gespräche beginnen und so zusätzliche Zeit schaffen. Ob das im lebhaften Alltag mit Rollatoren, wechselnden Möbeln, Besuchern und mehreren Stimmen zuverlässig funktioniert, muss sich nach der Veröffentlichung zeigen.

Kapitel 07

Was Navel aus der Vorserie gelernt hat

Navel in orangefarbenem Kittel mit grauer Strickmütze, aufgenommen in einem hellen Büro. N5 · fünfte Generation

Toussaint nennt die Schwierigkeiten der frühen Serie offen. Bei Geräten aus dem ersten Produktionsbatch habe es Platinenfehler und Probleme mit äußeren Kunststoffteilen gegeben. „Da hatten wir echt noch Probleme, muss ich sagen“, erzählt er. Die Fehler musste das Team damals mit viel Aufwand von Hand korrigieren. Danach wechselte das Unternehmen die betroffenen Zulieferer — seither seien diese Probleme nicht mehr aufgetreten.

Nach Angaben des Unternehmens wurden bis zum 12. August 2026 insgesamt 130 Roboter ausgeliefert, davon 100 an Pflegeeinrichtungen. Damit ist Navel mehr als ein Forschungsprototyp und sammelt inzwischen in vielen unterschiedlichen Häusern Erfahrungen.

Gefertigt wird in München: Das Team montiert die Roboter selbst, die Kunststoffteile und die Platinen lässt das Unternehmen in Deutschland produzieren. „Made in Germany ist für uns aus Vertrauensgründen sehr wichtig“, erklärt Toussaint schriftlich auf Nachfrage.

Fertigung
Montage im eigenen Haus in München — bis zu 8 Geräte im Monat, derzeit läuft der achte Batch
Kunststoffteile
Vakuumguss in Chargen von etwa 20 Stück, gefertigt in Deutschland
Platinen
aus deutscher Produktion; nach dem ersten Batch wechselte das Unternehmen die Zulieferer
Für Serienzahlen nötig
Spritzguss statt Vakuumguss — dieser Schritt hängt an einer späteren Series-A-Finanzierung
Status
bestellbar, aber kein Gerät vom Fließband — Care und Research nennt das Unternehmen weiterhin Vorserienmodelle
Kapitel 08

Was eine kleine Untersuchung andeutet

Seit Anfang 2024 begleitet eine Forschungsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover den Einsatz eines Navel im Johanniter-Seniorenheim Hannover-Ricklingen. Untersucht wurden unter anderem Kognition, Stimmung, Schlaf, Lebensqualität, Akzeptanz und Alltagstauglichkeit. Die MHH spricht öffentlich von guter Akzeptanz und ersten Hinweisen auf aktivierende Effekte.

4 8,5 Start nach 6 Wochen
DemTect-Wert einer Gruppe. Der DemTect ist ein Test, mit dem Fachleute kognitive Beeinträchtigungen untersuchen.
Warum diese Zahl kein Beleg ist
  • Es hätten nur zwischen zehn und 20 Menschen teilgenommen — für eine belastbare medizinische Studie viel zu wenig.
  • Eine größere Folgestudie gibt es bislang nicht.
  • Toussaint führt das Ergebnis nicht auf eine Heilkraft des Roboters zurück, sondern auf die zusätzliche Aktivierung.
  • Die Zahl ist ein Hinweis, kein Beleg dafür, dass Navel Demenz behandelt.

Navel sei kein Wunderding, sagt Toussaint. „Er kann auch nicht zaubern.“ Eine größere Untersuchung müsste klären, was regelmäßige Ansprache im Pflegealltag bewirken kann.

Kapitel 09

31.000 Euro — und vorerst kein Roboter fürs Wohnzimmer

31.000 € Heute Verkauf an Pflegeheime. Kleinere Einrichtungen lassen die Anschaffung häufig von Fördervereinen oder Stiftungen finanzieren. Eine reguläre Finanzierung über die Pflegekassen gibt es bislang nicht.
Günstiger Angekündigte Richtung Den Preis will Navel Robotics im Laufe der Jahre signifikant senken. Auf einen Zielpreis legt sich das Unternehmen bewusst nicht fest.
Für Zuhause Später geplant Zusätzlich soll eine günstigere Variante für Privatpersonen kommen — Zeitpunkt und Preis sind offen.

Konkrete künftige Preise nennt Navel Robotics bewusst nicht — das Unternehmen will sich nicht auf Zahlen festlegen lassen, die es später womöglich nicht halten kann.

Für Privatkunden ist Navel noch nicht erhältlich. Es hätten sich bereits Menschen gemeldet, die einen Roboter für einen Angehörigen kaufen wollten. Das Unternehmen habe dennoch abgelehnt. Ein privater Haushalt stelle andere Anforderungen an Einrichtung, Support und Sicherheit. Das kleine Team könne die dafür nötige Betreuung heute nicht guten Gewissens anbieten.

Langfristig soll Navel deutlich günstiger werden, und auch eine Variante für Privatpersonen stellt das Unternehmen in Aussicht. Konkrete Zahlen und Termine dafür nennt es bewusst nicht.

Kapitel 10

Die schwierigste Unterhaltung beginnt mit der zweiten Stimme

Selbstständiges Fahren löst noch nicht jede Aufgabe. Gespräche in Pflegeheimen laufen selten so geordnet ab wie ein Dialog zwischen einem Menschen und seinem Smartphone. Jemand unterbricht, zwei Menschen beginnen gleichzeitig zu reden, eine dritte Person fühlt sich nicht angesprochen. Menschen erkennen meist nebenbei, wer als Nächstes sprechen möchte. Für einen Roboter ist diese soziale Ordnung schwer zu erfassen.

Navel steht zwischen drei älteren Menschen, die gleichzeitig reden und gestikulieren.
KI-Illustration Drei Menschen, die gleichzeitig reden: genau die Lage, die Navel heute noch überfordert. Nachgestellte Szene, kein dokumentierter Einsatz.

Auf die Frage nach der größten ungelösten Aufgabe nennt Toussaint deshalb die Interaktion mit mehreren Menschen. „Der Roboter kann es heute null“, sagt er. „Das ist total technisch wahnsinnig anspruchsvoll.“

Navel wird bereits in Gruppen eingesetzt und kann dort Gespräche anregen. Was ihm fehlt, ist ein wirkliches Verständnis der Gruppendynamik: Wer spricht mit wem? Wer möchte etwas sagen? Wann darf der Roboter unterbrechen, und wann sollte er schweigen?

In einem Jahr werde die Lösung noch knapp, sagt Toussaint. „Aber in zwei Jahren bin ich zuversichtlich, dass wir echt was Großes bieten.“

Zum Schluss fragen wir ihn, ob er selbst einen Navel zu Hause hat. Toussaint lacht. Als Start-up müsse das Unternehmen jeden Roboter verkaufen, den es zusammenbaut. Außerdem beschäftige ihn Navel ohnehin den ganzen Tag. Dann antwortet er:

Porträt von Claude Toussaint.
Habe ich nicht. Den kann ich mir nicht leisten.
Claude Toussaint · Gründer von Navel Robotics, auf die Frage, ob er selbst einen Navel zu Hause hat
Zum Gespräch

Das Gespräch mit Claude Toussaint fand am 12. August 2026 statt. Es wurde für Länge und Verständlichkeit redaktionell bearbeitet. Angaben zu Stückzahlen, Preisen und Produktplänen stammen, soweit nicht anders angegeben, von Navel Robotics.

Bilder: Pressematerial von Navel Robotics und der Evangelischen Heimstiftung. Vier Motive sind KI-generierte Illustrationen und am Bild als solche gekennzeichnet — das Augen-Makro im Auftakt, das Familienfoto im Kapitel zum Gedächtnis, der Flur im Kapitel zur Autonomie und die Gesprächsrunde im Kapitel zur zweiten Stimme.